3,2,1 … meins! Upps …

Es ist der 17. Oktober 2019 kurz vor dem Datumswechsel. Im Bett liegend, wie immer die neuen Auktionen und Angebote der Oldtimerflotte betrachtend, sticht mir eine neu eingestellte Auktion ins Auge.

Ein 70er Ford P7b 1700S aus Süd-Frankreich. Außen weiss, innen rot. Die Beschreibung ganz nett formuliert. Nicht zu überschwänglich gut gequatscht, weckt immer ein wenig Vertrauen. Wenngleich man ja weiß, daß es immer sehr gefährlich ist den Zustandsbeschreibungen von Autoverkäufern zu viel Vertrauen zu schenken.

Da gab es einen Mercedes Benz 280GE Cabrio welches absoluter Kernschrott war, der Beschreibung nach aber etwas anderes versprach. Dann ein weiterer G, ein Notkauf (es gibt nicht nur Notverkäufe), der nach dem Verkäufer zu urteilen mindestens Zustand 2 hatte. Eine Motor- und Getrieberevision später, gefolgt von einer Rahmenreparatur und vielen anderen Dingen, wäre eine Note 4 noch zu hoch gegriffen gewesen.

Eigentlich den Vogel abgeschossen hat aber der Händler der meiner Frau einen P7b 17M 1700S Baujahr 1971 in Rot verkauft hat. Mit Gutachten und TÜV. Der Wagen ist der Grund dieses Blogs gewesen und so kaputt, daß Man(n) ihn besser hätte gleich im Schrott entsorgt. Aber wie das mit Geschenken so ist, die wirft man nicht weg. Also wird er restauriert, aber langsam und schonend. Finanziell ein Desaster, emotionell aber wichtig.

Weil der weiße P7b so schön auf den Fotos dasteht und auch im Text nicht als Grotte, sondern als „Dieser sympathische Oldtimer ist sowohl technisch, als auch optisch in gepflegtem Erhaltungszustand.“ angepriesen wird, entscheide ich mich spontan zu bieten.

Das Gebot steht bei 6 EUR, ich biete 555 EUR und will schauen, wie weit der wohl geht. Aber wie das Leben so spielt, biete ich 5555 EUR und zurücknehmen ist feige. Eigentlich wollte ich schon immer mal ein Auto bei eBay ersteigern. Als eBay User der ersten Stunden habe ich schon vieles bei eBay ge- und verkauft. Aber ein Auto steht noch auf er Liste der Dinge die zu tun sind.

Die Tage vergehen. Der Preis klettert auf erst 55, 1000, 1100, 1120, 2480, 3450, 3470, 3510, 4001 und dann auf 4011 EUR. 2 Tage noch bis zum Ende der Auktion. Angesehen habe ich den Wagen nicht. Die Hoffnung auf eine Rallye am Ende des Auktionszeitraumes besteht und wird enttäuscht. Es passiert zwei Tage nichts mehr und am 27.10.2019 gegen 19:30 kommt die Nachricht … „Sie haben den Artikel gekauft! …“

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge freue und ärgere ich mich über den Zuwachs. Ich habe schon einen P7b und auch keinen Platz mehr in der Garage. Ein Schalter, und wohlmöglich deutlich besser erhalten als der „Rote“, macht dennoch Freude.

Auf der Suche nach jemandem der den „Roten“ hätte preiswert reparieren können stieß ich auf die Oldtimerwerkstatt Heiko Will in Bockenau. Ich bin damals (wusste nicht, dass es eigentlich todesmutig war) mit dem Wagen vorstellig geworden und habe den dringenden Rat bekommen, den Wagen nicht zu restaurieren. Wir haben auch, weil ich selten aufgeben will, über den Preis gesprochen. Der hat mich dann doch überzeugt, es nicht zu tun. Dass er nun in der Eifel steht, und doch restauriert wird, ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls rief ich also am Montag Herrn Will an. Erzählte von meinem Missgeschick und fragte wie es denn aussieht wenn ich den Wagen zu ihm liefern lassen würde. Ob er denn Zeit hat und gewillt ist sich den Wagen anzuschauen, die Technik zu prüfen, deutsche Zulassung und TÜV zu machen.

Nach Erhalt einer positiven Antwort rufe ich bei der Heritage Motors GmbH an und spreche mit dem Geschäftsführer. Es folgt ein nettes, aber auch ein wenig ernüchterndes Gespräch. Es gibt keine dokumentierte Historie zu dem Fahrzeug. Es wurde bereits einmal in Deutschland verkauft und vom Käufer wieder in Zahlung genommen. Dazwischen stand es in einer Sammlung und wurde weder bewegt noch angemeldet. Auch in Frankreich hat der Wagen vorher sehr lange gestanden. Es gibt einige Arbeiten an der Karosserie zu machen. Hätte man natürlich auch vorher fragen können, aber so richtig geschockt bin ich dennoch nicht. Wir machen einen Preis für die Anlieferung nach Bockenau aus und ich überwiese.

Damit endet der Bericht, denn noch ist der Wagen nicht eingetroffen. Ich werde berichten wenn es weiter geht. Aus alter Tradition sage ich dennoch auch zu diesem Fahrzeug …. „Willkommen in meiner Garage!“

Der Custom G muss gehen …

unser Weg zusammen war nicht sehr lang. Es wurde viel Geld und Zeit investiert und es gab einige Höhen und viele Täler. Als ich dieses Jahr G#4 erwerben konnte war klar, dass der Tag kommt. Bei der Durchsicht im G-Shop24 stellt sich dann noch raus, dass das hintere Rahmenrohr ersetzt werden muss. Damit liegt der „Verlust“ an Geld im fünfstelligen Bereich, von Zeit und Nerven sprechen wir erst gar nicht. Ich hoffe es findet sich jemand der ihm mehr schätzt als ich es tat. Die „Notlösung“ hat immerhin 2 Jahre auch Freude gebracht. 

Oberehe Klassik 2017 - WP Rundkurs

Wer einen originalen Oldtimer sucht wird hier nicht fündig. Wer einen geilen Headturner haben will, der im Gelände was kann und sonst laut, langsam und archaisch ist, ist hier richtig. Der Wagen wird über den G-Shop24 verkauft und der Erlös geht in das neue Projekt. Ein Exposé gibt es hier. Eine Menge Geschichten zu dem Wagen gibt es in diesem Blog. Der Wagen hat unter anderem beim Gamboree 2017 den Preis für den ältesten teilnehmenden G bekommen und an vielen Oldtimer Rallyes teilgenommen … 

Porschino und Porschone

Porschone besucht seinen Vorgänger

Herr Bäcker hatte sich beim Verkauf ein „Besuchsrecht“ erbeten welches ich nur zu gerne gewähre. Nach ein paar Anläufen haben wir es am letzten Wochenende doch wirklich geschafft und sind zusammen eine grosse Hausrunde um Appenheim herum gefahren.

Pünktlich um 10 treffen wir uns im Ortskern. Herr Bäcker ist heute mit einem 997er GT3 unterwegs. Ein echtes Geschoss mit Käfig, Zentralverschluss, Spoiler, Schalensitze … kurzum ein richtiger Racer. Dagegen wirkt das alte G-Modell gediegen und bescheiden.

Porschone besucht seinen Vorgänger

Wir besprechen den aktuellen Zustand und die Arbeiten die Jochen Dronia an dem Wagen gemacht hat. Auch Herr Bäcker befindet, dass dem alten G-Modell das neue Fahrwerk schon im Stand gut steht. Schauen wir mal wie er sich beim Fahren so schlägt.

Eine grosse Hausrunde heisst im Endeffekt, Appenheim, Nieder-Hilbersheim, Engelstadt, Richtung Sprendlingen, Ober-Hilbersheim, Wolfsheim, St. Johann, Sprendlingen, Ober-Hilbersheim, Aspisheim, Horrweiler, Gensingen, Ockenheim, Appenheim.

Von Sprendlingen nach Ober-Hilbersheim haben wir eine wirklich tolle Kurvenkombination. Als ich in der schnellen engen Rechtskurve kurz das Gas lupfe (doch zu schnell für die Kurve) merke ich wie das Heck kommt. Aber ganz gutmütig, sodass ich keine Probleme habe den Wagen auf Kurs zu halten. Kurz nach Gensingen ist die Bahnschranke dann geschlossen. Zeit für ein kurzes Gespräch. Hr. Bäcker meinte der Wagen sei sehr schön anzusehen und man sähe von hinten sehr gut wie gut der Wagen auf der Strasse (kaum Wankbewegungen) liegt. In der Tat, wenn ich die Fahreigenschaften mit denen nach dem Kauf vergleiche, dann sind es zwei verschiedene Autos.

Ich schlage selbstlos vor die Autos zu tauschen, damit Herr Bäcker selbst erfahren kann wie sehr sich sein alter Porschino verändert hat. Die, die jetzt ein Grinsen im Gesicht haben und denken: „Klar! GT3 fahren ist eine echte Strafe.“ liegen falsch. Eine Strafe ist es nicht, aber ich passe eigentlich nicht rein. Nachdem ich mich mit Ach und Krach am Käfig vorbei in die Schale gequetscht habe, das Lenkrad an meinen Knien hängt und es fürchterlich unbequem ist, erfreue mich dennoch an dem Fahrzeug. Viel mehr als Standgas braucht man nicht um hinter dem alten 911er her zu kommen, zumal der Verkehr nun auch zugenommen hat. Ein komisches Gefühl sein eigenes Auto von hinten zu sehen …

Aus der Sicht eines 911 GT3

So „wandern“ wir also zurück nach Appenheim. Ein Video wie ich mehr oder weniger auf allen vieren aus dem GT3 krieche gibt es zum Glück nicht.

Ich denke wir hatten beide bei guten 60 Minuten Spass auf der Strasse und freuen uns auf ein weiteres Treffen von Porschino und Porschone. Vielleicht im Taunus, wo Porschone zu hause ist. Aus meiner aktiven Motorradzeit weiss ich noch sehr gut, dass es im Taunus viele schöne Strecken gibt.

Ich freue mich schon auf den nächsten Event mit meinem Zuffenhausener Alteisen. Wir machen in zwei Wochen zusammen die nationale A-Lizenz des DMSB auf dem Hockenheimring. Mal sehen wie das mit der Helmpflicht so wird. Ich nehme an ich muss das Schiebedach offen lassen, um noch einen Helm zwischen den Kopf und dem Dach zu platzieren …

Der Kauf

Es braucht einen Motor, vier Räder und muss mich von A nach B bringen – das war bislang meine Definition für ein Auto. Aber es gibt gute Gründe, warum sich das ändern kann.

Seit ich mit meinem Mann zusammen bin, erzählt man mir die Geschichte, er habe schon seit dem zarten Alter von drei Jahren auf der Autobahn aus 3 km Entfernung alle Fahrzeug-Hersteller samt Typenbezeichnung an den Rücklichtern erkennen können. Und tatsächlich hat seine Begeisterung für Autos ein klein wenig auf mich abgefärbt. Nicht, dass mich Hubraum oder Pferdestärken sonderlich interessieren würden und ich technische Informationen einen Tag später sowieso wieder vergessen habe. Aber es sind die Geschichten, die man mit einem Fahrzeug verbindet, die auch bei mir ein Verständnis für den Reiz alter Autos wecken.

Ob bei Familienfesten in Erinnerungen geschwelgt wurde, beim Betrachten der alten Super8-Filme meines Schwiegervaters oder beim Austausch mit anderen Auto-Narren – ein Fahrzeug kam bei meinem Mann immer wieder zur Sprache: der Ford 17M P7b. Wie mit strahlenden Kinderaugen berichtet er noch heute davon, dass er sich auf langen Urlaubsreisen auf der Rückbank zusammenrollte oder wie er zu Hause in der Einfahrt im Auto seines Vaters Autofahren spielte. Und schlussendlich auch davon, wie bitterlich er weinte, als das Familienauto eines Tages nicht mehr zu reparieren war und abgeholt werden musste.

Also wollte ich mich auf die Suche nach einem Ford 17M P7b machen. Ich stellte mich schon darauf ein, dass diese Suche länger dauern würde und wollte in den nächsten fünf Jahren (bis zum 50. Geburtstag meines Mannes) fündig werden. Aber es sollte anders kommen.

Ich sitze vor dem Rechner und surfe im Internet. Nur so zum Spaß klicke ich mich bei mobile.de durch die Website und gebe den Suchbegriff 17M ein. Ein Treffer. Wunderbar, den schaue ich mir doch mal an. Super, er ist rot. Das passt und gefällt mir. Die Fotos sehen schön aus, die Beschreibung ist knapp. Also gleich die ADAC-Kaufberatung aufgerufen. Rost ist das Hauptproblem beim P7b, damit habe ich gerechnet. Unter den Schwachpunkten finde ich aber auch Punkte wie Wagenheberaufnahmen, Novotex-Stirnräder und Fahrwerksbuchsen. Was soll ich denn damit anfangen? Natürlich kann ich den Verkäufer am Telefon danach fragen. Aber was, wenn ich die Antwort noch nicht einmal verstehe? Ich rufe trotzdem an, bekunde mein Interesse an dem Wagen, stelle ein paar unverfängliche Fragen und gebe zu, dass ich keine Ahnung von Autos habe. Da der Verkäufer mich freundlich darauf hinweist, dass es von Vorteil wäre, das Auto mal anzusehen, kümmere ich mich um einen Besuchstermin.

Der 17M steht zweieinhalb Stunden von uns entfernt. Da komme ich ohne den großen Aufwand, die Kinder wegzuorganisieren, nie hin und zurück, ohne dass mein Mann etwas merkt. Außerdem – was habe ich von einem Besichtigungstermin vor Ort, wenn ich als Laie den Wagen sowieso nicht beurteilen kann. Ein Experte muss also her. Der einzig mir bekannte Karosseriebauer empfiehlt mir seinen Oldtimer-Sachverständigen. Aber der müsste ja auch erst anreisen. Da fällt mir ein guter Freund ein, der in der Gegend wohnt. Schnell ist mit ihm ausgemacht, dass er und sein Kumpel sich den 17M am Wochenende ansehen. Ich bin erleichtert.

Während die beiden das Auto in Augenschein nehmen und mir die neuesten Infos zukommen lassen wollen, kann ich nicht telefonieren. Mein Mann ist zu Hause. Also werde ich per SMS auf dem Laufenden gehalten. Das Fazit: das Auto ist in Ordnung, zu dem Preis kann ich nichts falsch machen, ich soll zuschlagen. Am nächsten Tag schaffen wir es endlich unbemerkt zu telefonieren und ich kann anschließend den Verkäufer anrufen. Es gibt keinen Diskussionsbedarf, wir sind uns schnell einig und tags darauf bekomme ich den Kaufvertrag. Unterschrift drunter und fertig. Ich habe das erste Auto meines Lebens gekauft und kann es gar nicht fassen. Innerlich strahle ich wie ein Honigkuchenpferd.

Für mich ist so ein Autokauf Neuland. Wunschkennzeichen reservieren, Versicherung abschließen, zur Zulassungsstelle fahren … selbst das Schilder-Machen ist spannend. Und alles besonders aufregend, weil geheim.

Dann gehen ein paar Wochen ins Land, während der 17M noch friedlich im Rheinland steht. Nach Ostern ist es endlich soweit, der Wagen wird zu meinen Eltern geliefert, wo er bis zur Übergabe bleiben kann. Ich bin aufgeregt und darf mir nichts anmerken lassen. Außer meinen Eltern weiß keiner Bescheid, aber die werden von meiner Freude angesteckt und sind auch ganz gespannt. Und dann rollt er auf seinem Anhänger vor: ein Traum in rot. Und ich bin sofort in ihn verliebt. Als ich die Schlüssel in die Hand gedrückt bekomme, schlägt mein Herz schneller. Beim ersten Probesitzen versinke ich seufzend in den Kissen. Und als der Motor anspringt, klatsche ich vor Begeisterung wild in die Hände.

Nun steht die erste Probefahrt an. Nachdem der Motor ein paar Minuten warm gelaufen ist, rangiere ich das Schiff aus der Einfahrt. Eine ganz ordentliche Arbeit, so ohne Servolenkung. Ich schlage also den Weg zur Tankstelle ein (Bleiersatz habe ich schon besorgt) und stelle mir gleich die entscheidende Frage, wo der Tankdeckel ist. Also halte ich noch einmal an, um nachzusehen, denn ich will mir ja keine Blöße geben. Rechts ist er nicht – links aber auch nicht. Ups. Zuerst überlege ich, meinen Schwiegervater anzurufen. Der hatte ja einen 17M und muss es wissen. Aber zu Zeiten von google finde ich auch so schnell heraus, dass er hinterm Nummernschild versteckt ist. Na also. Auf dem Weg zur Tankstelle spüre ich schon die Blicke, die das Auto auf sich zieht. Dort angekommen, werde ich gleich in ein Gespräch verwickelt. Merke: wer einen Oldtimer fährt, darf nicht kontaktscheu sein.

Dann ist er da, unser 18. Hochzeitstag. Zufällig haben die Kinder frei und wir haben angekündigt, Markus zum Mittagessen abzuholen. Leider sind wir ein bisschen zu früh und drehen noch eine Runde, damit der Überraschungseffekt größer ist. Schon von Weitem sehen wir meinen Mann auf dem Parkplatz stehen. Erst schaut er in eine andere Richtung. Dann sieht er den P7b und guckt interessiert. Erst auf den zweiten Blick erkennt er, dass seine Familie in dem Wagen sitzt. Was in diesem Moment in seinem Kopf vorgeht, weiß ich nicht. Aber als ich ihm mit den Worten „Der ist für Dich“ die Schlüssel überreiche, ist er völlig überwältigt.

Später erfahre ich, dass er zuerst gedacht hat, wir hätten das Auto nur für einen Tag gemietet. Dass es wirklich seiner ist, kann er nicht fassen. Während des gesamten Mittagessens schüttelt er immer wieder ungläubig den Kopf. Auch ich grinse über beide Backen, denn der Plan ist aufgegangen – Überraschung gelungen!

Porschino – der Kauf

Porschino ist angekommen!

Früh morgens, eigentlich noch in der Nacht vom 19. auf den 20. Mai, ändere ich erneut die Parameter für die Suche nach meinem 911er. Ich kann nicht ahnen, dass ich mir dies auch hätte sparen können, aber das Suchfeld wird größer und größer definiert.

Nach dem Mittagessen, um 14:08 am 20. Juni 2016, erhalte ich per eMail von einem Kollegen eine eMail mit einem Expose eines 1988er Porsche 911. Die Mail ist eine Weiterleitung einer Weiterleitung eines Mannes der nichtmal der Besitzer, sondern ein Bekannter des Besitzers ist. Dies werde ich aber erst später herausfinden. Das Expose sieht gut aus, ein G Modell von 1988, 3.2l Carrera mit KAT ab Werk, G50 Getriebe, Fuchs Felgen, deutsches Fahrzeug, gute Farbkombination, gute Historie und mit komplettem Scheckheft bei Porsche. 3. Hand, wobei die 2. Hand ihn nur ein paar Monate hatte. Die 1. Hand hielt den Wagen 21 Jahre, seit 2009 in Besitz des Verkäufers.

Da ich die Eigentumsverhältnisse zu diesem Zeitpunkt noch nicht kenne, schreibe ich dem Bekannten des Eigentümers eine eMail und bekunde mein Interesse. Frage nach dem Preis und ob ein Treffen bei meinem Porsche Spezialisten in Gau-Algesheim möglich ist. Die Antwort zur Klärung der Eigentumsverhältnisse kommt prompt und ich werde an Herrn Bäcker [Name von mir geändert.], welcher der eigentliche Eigentümer ist, weitergeleitet. Herr Bäcker antwortet um 23:17 Uhr ebenfalls per eMail.

Er erklärt, dass der Wagen am Tage zuvor noch TÜV und HU neu bekommen hat. Zwei Kleinigkeiten seien dem TÜV aufgefallen (grüne Plakette falsch und Bremse vorne liegt leicht an). Ansonsten sei er technisch in sehr gutem Zustand und hat 2011 bei Porsche eine neue Glanzlackierung erhalten. Ein erster Aufschlag zum Preis wurde auch genannt, aber mit dem Hinweis, dass er den Markt noch nicht sondiert habe und sich der Preis noch ändern könnte. Einem Treffen in Gau-Algesheim erteilte Herr Bäcker leider eine Absage, aber er hat am Standort des Wagens eine Hebebühne und ein Spezialist ist zur Begutachtung ist ihm sehr willkommen und sogar erwünscht.

Da ich den Markt seit 18 Monaten genau beobachtete ist mir klar, dass der Preis weder gut noch schlecht ist. Er passt ins allgemeine Gefüge, wenn der Zustand wirklich so gut ist wie beschrieben. Das teile ich auch noch am selben Abend Herrn Bäcker mit und verspreche mit Jochen Dronia einen Termin zu machen, um den Wagen Vor-Ort zu begutachten. Der 20. Mai ist ein Freitag, es folgt ein Wochenende. Ein sehr langes Wochenende wenn man auf den Montag wartet.

Mein Bauch sagt: „Dass wird was.“ Deshalb reserviere ich am Samstag schon die Kennzeichen für den Wagen. Mit MZ ist alles nette schon vergeben. In zwei Jahren bekommt er ein H-Kennzeichen und jetzt ein 04-10. Das Kennzeichen muss also entsprechend kurz sein. Dank der Reformen unseren Verkehrsministers Dobrindt gibt es BIN für den Kreis Mainz-Bingen wieder und bei BIN werde ich mit IX11 fündig. Passt perfekt.

Montag morgen um 9 dann ein kurzes Telefonat mit Jochen und im Anschluss mit Herrn Bäcker. Dienstag um 16 Uhr ist die Besichtigung und Probefahrt angesetzt. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, bin ich doch noch nie mit einem Porsche 911 G-Modell gefahren. Passe ich überhaupt rein?

Der Montag zieht sich. Einer inneren Eingebung nach erstelle ich schon alle Dokumente für den Kauf und fülle sie, soweit es möglich ist, aus. Am Dienstag verlasse ich das Büro sehr früh, hole Jochen ab und wir stellen uns in den Stau auf der Schiersteiner Brücke. In ein paar Jahren lachen wir vielleicht darüber, aber die Brückenthematik ist 2015/2016 ein echter Showstopper für die ganze Rhein-Main Region.

Im Speckgürtel von Wiesbaden treffen wir uns mit Herrn Bäcker, der in seiner wunderschönen und ausgebauten Scheune viel Platz und einige Fahrzeuge stehen hat. Auch eine Hebebühne ist vorhanden. Alles sehr sauber, hell und freundlich, obwohl es draußen regnet und entsprechend wenig Sonnenlicht vorhanden ist.

Porschinos alte Heimat
Die Bäcker’sche „Scheune“

Porschino, wie ich ihn auch schon nenne, steht abgedeckt ganz vorne rechts. Bevor wir aber über den Wagen sprechen, bestaunen wir erstmal die Umgebung. Mein Bauch sagt mir, dass Herr Bäcker noch nicht wirklich sicher ist, ob er den Wagen überhaupt verkaufen will. Also nur nicht zu viel Druck aufbauen. Während ich mich mit Herrn Bäcker über alle möglichen Dinge unterhalte (Kinder, Italien, meine Scheune, seine Scheune, Beweggründe einen 911er haben zu müssen), schaut sich Jochen derweil Porschino von aussen an. Ich denke ich kann behaupten, dass eine gewisse beidseitige Sympathie zwischen Herrn Bäcker und mir entsteht. Bei unserem Gespräch kommt der Grund des Exposé zu Tage. Eine latente Idee den Wagen zu veräußern, da er die letzten 6 Jahre kaum bewegt wurde. Da aber aktuell kein Druck vorhanden ist, den Wagen in Geld umzusetzen, ist der Zeitpunkt des Verkaufs vielleicht auch noch nicht gekommen? Ein Moment bei dem mir natürlich erstmal der Atem stockt, denn dieses Fahrzeug will ich eigentlich haben.

Wir wenden uns dem Wagen zu. Jochen bekommt den Schlüssel. Die Zentralverriegelung schnappt auf, die Tür geht auf. Ein erster Blick in den Innenraum. Die blaue Innenausstattung hat Patina. Ich mag es, wenn ein 28 Jahres Auto wie ein gepflegtes 28 Jahre altes Auto aussieht. Patina ist also erwünscht. Die Farbe ist mehr als nur erträglich. Es ist alles da was da sein muss. Die Sitze haben ein paar Stellen, die man vielleicht mal behandeln muss. Das Lenkrad ist durch die Sonne am oberen Bogen ein wenig ausgeblichen und das Leder brüchig.

Ein Dreh am Schlüssel und der Motor springt sofort an. Keine lästigen Nebengeräusche, kein Klappern, kein Drama. Die Tür wird geschlossen, der Klang einer schliessenden 911er Tür kann nur von dem Klang einer sich schliessenden Tür eines Mercedes Benz übertroffen werden. Beides auf ihre Art und Weise einzigartig. Der Wagen rollt mit Standgas in Richtung Hebebühne.

Die Frage nach einer Probefahrt wird erstmal verneint. Der Grund, es regnet. Viel später auf der Heimfahrt checke ich meine eMails und finde dort auch eine Nachricht von Herrn Bäcker. Er fragt an, ob wir denn überhaupt kommen wollen, denn eine Probefahrt sei bei dem Wetter nicht möglich. Da ich diese Mail aber erst viel später lese, weiss ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts davon.

Der Wagen „hängt“ jetzt eine Etage höher und Jochen inspiziert ihn gründlich. Die Spurstangenköpfe sind noch die Originalen von 1988 und sollten ersetzt werden. Die Bremsleitungen auch. Die Gelenkmanschetten hinten sind beide eingerissen. Der Motor hat das leichte aber typische Boxerschwitzen. Die Reifen sind 10 Jahre alt. Ein paar weitere Kleinigkeiten hier und da. Alles in allem nichts wirklich dramatisches.

Da wir nicht hier sind um den Wagen schlecht zu reden, gehe ich in die Vollen und Frage, ob der Wagen zum Verkauf steht und zwar hier und jetzt. Ich zeige den vorbereiteten Kaufvertrag, die Kennzeichenreservierung und biete an sofort bei der Bank anzurufen und telefonisch, in seinem Beisein, die Überweisung in Auftrag zu geben. Gutschrift am Folgetag.

Es vergehen 60 bis 120 Sekunden, die sich wie Stunden anfühlen und dann wird der Kauf per Handschlag besiegelt. Es fühlt sich grossartig an. Jochen schaut ein wenig ungläubig ob der Geschwindigkeit die hier an den Tag gelegt wird, ist aber ebenfalls von der Qualität des Wagens überzeugt. Wir machen den Papierkram fertig, rufen die Bank an. Ich bekomme die Papiere, Dokumentation und die Schilder des Wagens, damit ich Porschino anmelden kann.

Wir verabschieden uns anschliessend recht zügig, denn es ist spät geworden und Jochen muss zurück in die Firma. Leider wird es noch später, denn auf dem Rückweg fahren wir geradewegs in den nächsten dicken Stau. Ich setze Jochen kurz nach 18 Uhr ab und trete glücklich und voller Ungeduld den kurzen Heimweg an.

Am folgenden Tag bekomme ich von Herrn Bäcker die Bestätigung, dass der Kaufpreis eingegangen ist. Wir vereinbaren zum einen die Abholung am Freitag nachmittags und zum anderen ein Besuchsrecht für Porschino.

Donnerstag der 26.05. ist wieder ein Feiertag und ich mache Online einen Termin zur Zulassung des Wagens am Freitag den 27.05. Ich muss gestehen, dass ich das Thema Zulassung mittlerweile echt gut gelöst finde. An dem Tag war die Hölle los, aber ich kam pünktlich zum vereinbarten Termin dran und war Ruck Zuck wieder draussen.

Am Donnertag besorge ich mir online eine eVB Nummer. Untypisch für mich, da ich normalweise damit einfach und „Old School“ mässig zu meinem Allianz Agenten gehe, auch wenn ich ansonsten zu 100% der 4.0 Typ bin. Da aber Feiertag war und ich am Folgetag früh einen Termin hatte, ging ich diesen Weg. Das „Drama“ mit der DEVK müsste ich gesondert beschreiben, es wurde dann aber zum Glück und dank des DEVK Agenten meines Vertrauens, alles gut.

Die Schilder brennen in meiner Tasche als mich noch am selben Tag um 15:30 mein Kollege Uwe mit seinem 997er 4S aufsammelt, um Porschino abzuholen. Das Wetter war schon wieder nicht gut, aber es regnete am Nachmittag nicht mehr. Ich muss auch gestehen, dass ich weniger Putzer als Fahrer bin. Der Wagen wird bei mir den einen oder anderen Regentag bewegt werden, wenn es gerade angesagt ist. Wert hin oder her, es ist ein geschlossenes Coupe und damit per Definition auch zum Fahren bei Regen geeignet. Putzen tut bei mir die Waschanlage … mal sehen ob ich es hier ändere.

Die Abholung war kurz und schmerzlos. Meine Angst nicht hinein zu passen war unbegründet. Wenn es auch sehr knapp ist, es geht trotz Schiebedach. Da sitze ich also zum ersten Mal in einem 911er G-Modell und es ist sogar mein eigenes. Ich bin vorher noch nie einen 911er selbst gefahren. Herr Bäcker gibt mir eine kurze Einweisung, das Handbuch hatte ich auch schon gelesen, so komme ich ohne Probleme nach einer herzlichen Verabschiedung vom Hof.

Porschino Abholung

Die ersten Meter fahre ich sehr, sehr vorsichtig. Immer mit Uwe im Rückspiegel. Ganz behutsam drehe ich den Motor bis 2000U/Min, schalte früh hoch und rolle mehr als das ich fahre in Richtung 80 bis 100 km/h im 5. Gang als die Ortschaft endlich zu Ende ist und die Landstrasse sich öffnet.

Das Fahrgefühl ist seltsam bis merkwürdig. Man merkt, dass der Wagen lange gestanden hat. Bei ca. 80 km/h habe ich eine Art „hoppeln“, dass allerdings nach wenigen 100 Metern verschwindet. Die Reifen und die Federung fühlen sich hölzern an. Die Lenkung ist knorrig, der Motor wird nur sehr langsam warm. Immerhin der Öldruck liegt im Bereich der im Handbuch als perfekt beschrieben wird.

Dennoch kann dies alles meine Freude über dieses Fahrzeug nicht trüben. Die Fenster heruntergelassen, das Schiebedach geöffnet, lasse ich mich über die Landstrasse treiben. Hinter Wiesbaden geht es dann doch auf die Autobahn. Die A66 ist dreispurig. Ich winke Uwe zum Abschied und dem Moment als er mich überholt, wird er von einem 991er überholt. Ein schönes Bild. Drei Generationen 911 nebeneinander auf drei Spuren. 

Zu hause angekommen sind die Kinder begeistert. Wir machen eine Probefahrt. Die kleine Runde Aspisheim, Horrweiler, Gensingen, Ockenheim, Appenheim und dabei prüfen wir auch gleich die Fähigkeiten des Porschino als Boot denn mitten in der kleinen Runde ergiesst sich über uns Unwetter das seines Gleichen sucht. In der Tagesschau sehen wir am Abend die Bilder aus Wiesbaden. Boote in der Innenstadt. Hagelkörner so gross wie Golfbälle. Noch mal Glück gehabt, bei uns war es nur Regen. Sicher und wieder trocken kommt Porschino in die Garage.

Porschino ist angekommen!

Das Fahrverhalten bleibt die kommenden Tage unbefriedigend. Schon beim Kauf war klar, dass einige Dinge zu tun sind und für den folgenden Freitag habe ich einen Termin bei Jochen. Wenn man einen alten Porsche kauft, muss man immer noch ein wenig Geld in der Hinterhand haben, hat mal ein weiser Porsche Fan gesagt. So ist es wohl auch. Ich erfreue mich noch ein paar Mal an Porschino und gebe ihn vollgetankt am Freitag den 03. Juni 2016 bei Dronia Sportwagen ab. Das Ergebnis findet ihr auch hier.

Einen für die Oldtimer Ausfahrt und einen für den Sandkasten

Da war er wieder … ein guter Grund ein Auto zu kaufen. Mein schöner blauer G ist schon wieder in Kur. Die Mängelliste leider noch immer lang und der Weg zum G geht in die Verlängerung. Nun schickte es sich an, dass ich ein Off-Road Wochenende in Belgien mit der ganzen Familie zum Geburtstag geschenkt bekam. Im April. Bis dahin wird der „Blaue“ nicht fertig sein und ausserdem ist er mir doch mittlerweile zu Schade für den Dreck. Kurzum, im Januar geht die Suche los und ich muss gestehen, dass ich von der Welt der Autohändler einmal mehr enttäuscht bin, auch wenn es löbliche Ausnahmen gibt. Aber von vorne …

Parameter: Geländewagen mit Allrad und Sperren. Möglichst nicht zu teuer, mit TüV und wenn es geht mit grüner Plakette.

Am Anfang kam der Gedanke, einen Geländewagen leihen zu können, auf. Verleihen für ein Off-Road Wochenende wollte aber niemand einen Wagen.

Dann kommt der Gedanke auf einen Wagen zu kaufen, um mit einem Kurzzeitkennzeichen zu dem Wochenende nach Belgien zu fahren. Anschliessend (nach der Wäsche) würde er wieder verkauft werden.

Nach vier Wochen der Suche kam ich nicht wirklich voran. Um so wenig wie möglich Verlust zu machen, müsste ich von Privat kaufen. Kaufe ich von einem Händler, büsse ich im Zweifel einen Teil seiner Spanne ein. Was angeboten wurde war jedoch nicht wirklich sinnvoll. 20 Jahre alte Gs mit Dieselmotor (ohne grüne Plakette) und 300T+ km, Defender mit mehr Beulen und Rost als man will und ebenfalls maximal mit einer gelben Plakette. Für den Wiederverkauf alles Mist.

Vielleicht einfach doch bei den Baujahren etwas weiter hinten schauen, die Defender der Serie III gefallen mir nicht wirklich. Bei dem Discovery war ich mir ob des Wiederverkaufwertes nicht sicher und auch des Aufwands um sie überhaupt verkauft zu bekommen. Ausserdem kenne ich mich mit Land Rover nicht aus.

Ein alter G wäre schön. Meine Frau fände einen Feuerwehr G toll. Also suchen wir mal. Auto Zitzmann hat einen Feuerwehr 280GE im Programm. An der Stelle ein Lob, denn ich rief an und fragte nach dem Zustand. Der Verkäufer gab mir ohne viele Worte und Schönrederei Antwort. Ohne umfangreiche Restaurierung keinen TüV, starker Rostbefall an Karosse und Rahmen. Bedeutet Kernschrott für 15k EUR. Keine Alternative.

Es tut sich ein zweiter Rot/Weiss lackierter G im Netz auf. Ich frage per eMail an ob es ein Feuerwehr G sei. „Ja, Feuerwehr“ ist die knappe Antwort. Ich frage höflich per eMail an, ob ich denn ein paar Bilder von unten haben könnte und generell ein paar Bilder mehr als die unscharfen drei im Netz. Im Netz übrigens ist der Wagen als (2. Hand, 44tkm, top zustand) beschrieben. Erst meint der Verkäufer ich soll mir den Wagen angucken kommen. Als ich nochmals interveniere und klarstelle, dass ich nicht 800km fahre um mir einen „Eimer“ anzusehen, bekomme ich die angefragten Bilder. Spätestens an der Farbe des Motorraumes erkennt man, dass es ein BGS Wagen war. Damit glaubt keiner die 44tkm. An den Radläufen sind massive Durchrostungen und Rostblasen, die der Verkäufer als „Flugrost“ bezeichnet. Die Stossdämpferaufnahmen sind offensichtlich stark verrostet. Den Scheibenrahmen hat jemand mit einem Riffelblech geflickt. Derjenige hat sich richtig „Mühe“ gegeben, denn er hat die Bleche einfach oben drauf geschweisst. Nachdem die Bilder angekommen sind spricht der Verkäufer auf Band und meint, da wären ein paar Roststellen, aber wenn er die mit schwarzem Lack überspüht hätte, hätte ich die gar nicht gesehen. Zur Erinnerung, in der Anzeige steht „Top Zustand“. Mehr wollte ich dann nicht mehr sehen. Der Verkäufer bittet nach meiner freundlichen Absage um eine positive Bewertung bei mobile.de … ohne Worte.

Man könnte diese Liste endlos weiter führen. Ich frage mich mit welcher Dreistigkeit hier teilweise Gesetze gebrochen, Betrogen und Getäuscht wird.

Die gespeicherten Suchen bei Mobile.de und AutoScout24 spucken täglich neue Angebote aus, aber so richtig einschlagen tut keines. Es sind auch immer wieder Wölfe dabei. Einen Wolf will ich aber eigentlich nicht. Es sind meistens Diesel. Sind es keine, sind es welche aus der Schweiz und die haben keine Rückbank aber ich zwei Kinder die mitfahren wollen. Unter den „Flecktarn und Tarnfarben“ Anzeigen sehe ich aber immer wieder eine Anzeige die da lautet: „Mercedes-Benz G 230 Carbio Wolf W460 W461“. Darauf ein Wagen mit einer Wolf Karosse, W463er Stossstangen vorne und hinten, W463 Grill und W463 Kotflügeln. Keine Angabe von Vorbesitzern, keine Angabe zur Laufleistung. H-Kennzeichen steht noch dabei, Baujahr 1980, 4 Gang Schaltung, Sperren funktionieren, HU bis 01/2018.

Erst ein Albtraum für mich, auch wenn ich am „Blauen“ falsche Rücklichter habe/(hatte), stehe ich bei alten Autos doch auf Originalität, bzw. die Nähe dazu. Hier ist also ein vollkommen umgebauter W460, der nur noch Chassis, Motor und Getriebe von dem Basisfahrzeug hat. Aber dennoch spricht mich der Wagen an. Es sind diesmal 5 Bilder im Netz und die sind sogar scharf. Aber von unten und von den neuralgischen Stellen gibt es keine Details. Ich rufe an und frage nach weiteren Bildern. Der Verkäufer, komischerweise ein wenig genervt, habe ich ihm doch gar nichts getan, meint nur ich soll vorbei kommen und selber schauen. Die Nachfrage wer den Wagen umgebaut habe wird mit „unverständlich Schmidt“ beantwortet. Komisch, dass man auf meines Erachtens sinnvolle und normale Fragen unsinnige Antworten bekommt. Der Wagen steht ca. 3h von mir entfernt. Normalerweise hätte ich jetzt die Gespräche abgebrochen, denn es ist nicht einzusehen, dass ich einen ganzen Tag opfere ohne Wissen ob des Ausgangs. Vielleicht ist es auch nur ein „Eimer“ …

Diesmal aber dachte ich, dass es das Risiko vielleicht wert sei und machte einen Termin für den darauf folgenden Samstag aus. Da der Verkäufer den Wagen nur abgemeldet übergeben würde, fahre ich mit dem Auto statt mit dem Zug.

Angekommen mache ich einen ersten Rundgang um das Fahrzeug. Die Karosserie scheint wirklich in einem sehr guten Zustand zu sein. Der Umbau sieht gut aus. Kein Rost, keine Beulen. Hier und da ein paar Kampfspuren. Nichts weich, nichts bröselig. Der Verkäufer hat den Wagen mit einem Kumpel selbst umgebaut. Dokumentation gibt es keine. Er dient als Spielzeug im Sandkasten, sprich er wird im Gelände gefahren und sonst nicht. Er muss weg, weil ein neuerer G da ist und ihm der 230er zu schwach ist. Ausserdem geht er „im Wasser“ leicht aus. Mir ist das egal, den M115.973 kenne ich schon und ins Wasser werde ich wahrscheinlich so oft nicht fahren. TüV neu in 01/2016. H Kennzeichen trotz der Umbauten. Schicke Felgen, aber ohne ABE. Die Höherlegung selbst gemacht, also auch ohne ABE. Die Handbremse geht nicht und die Wasserpumpe hat einen Tropfen verloren. Der Endtopf muss überarbeitet werden. Beim Volltanken schaltet die Pistole nicht ab und es läuft Sprit raus wenn man nicht aufpasst. Letzteres kenne ich selbst. Motor und Getriebe laufen sauber, alles schaltet ohne grosse Probleme (3. Gang kratzt manchmal … ). Sperren gehen rein und funktionieren, wie man bei der Probefahrt auf einer nassen tiefen Wiese feststellen kann. Kein Knacken, kein Knarzen und wir kommen auch wieder raus als der Allrad und die Sperren aktiviert sind.

Innen ist zu 90% ein Wolf. Sogar ein Loch im Bodenblech mit Stöpsel. Vier Einzelsitze in gutem Zustand. Der Holzboden sieht sehr gut aus. Verstauboxen, Gewehrhalter … kein Drehzahlmesser, die Tankanzeige muckt wohl manchmal.

In Summe scheint es doch mit überschaubarem Aufwand getan. Die Bremsen sollten komplett überholt werden. Der Endtopf angepasst. Die Wasserpumpe kontrolliert. Wir werden uns mit einem Abschlag wegen der kleinen Mängel schnell einig und tauschen Bares gegen Fahrzeugbrief. Und das ist es, dass neue Sandkastenspielzeug.

230G Custom

Willkommen in meiner Garage …

 

Nach dem Kauf, die Odyssee beginnt

Stossdämpferaufnahme

Auf dem Weg von Heidelberg nach Appenheim gab es eigentlich keine besonderen Vorkommnisse. Der Wagen lief problemlos, lediglich in den ersten zwei Gängen machte ein leichtes Rasseln auf sich aufmerksam. Das hatte ich am Tage der Probefahrt nicht gehört.

Um nun ein genaues Bild des Wagens zu bekommen bin ich zur MB Niederlassung meines Vertrauens gefahren und habe den Wagen vorgeführt. Dieser betrug sich nach der ersten Nacht gar nicht mehr so fein, und wollte eigentlich nicht anspringen. Als er es dann dennoch tat, gab er das eine oder andere Rauch- und Knallzeichen in Form von Fehlzündungen von sich.

Ich hatte es dennoch bis in die Werkstatt geschafft und lebte noch immer in der Hoffnung, dass es alles nicht so schlimm werden wird.

Schon die Dialogannahme wurde zur Show. Der „Meister“ meines Vertrauens schaffte es mit einigen Fehlzündungen den Wagen in die Annahmehalle zu bringen. Als der Motor dann mal aus war, ging er auch nicht mehr an. Die Halle leicht eingenebelt, einige Kollegen in voller Deckung, in Erwartung des Erscheinens der Artillerie.

Scheibenwischer gehen nicht. Bremsleistung mangelhaft. Stossdämpfer mangelhaft. Der DOT Code der Reifen nicht mehr zu entziffern, weil anders codiert als heute. Wir heben hoch. Stossdämpferaufnahmen hinten durch. Schweller, Türen, Spritzwand, Radläufe, Kotflügel, Unterboden, Heck, Scheibenrahmen…

Der Wagen geht in die Technik, ich nehme ein Taxi ins Büro. Später kommt dann der Anruf. Das Rasseln ist das Ausgangslager des Getriebes zur Hinterachse. Motor, auf 5 Zylindern 9 bar, auf dem 6. nur noch 7. (sollen auf allen 12 sein), die Nockenwelle eingelaufen. Vorderachse korrodiert, beide Radlager der Hinterachse sind defekt. Lenkungsdämpfer, Brems- und Kraftstoffleitungen, Tank, Krümmer gerissen. Der Rest des Auspuff im Eimer. Die Tankentlüftung defekt.

Wer sich dann jetzt noch mal kurz den Text der Anzeige zu Gemüte führt …

Die ehrliche Empfehlung – verschrotten, oder es wird teuer. Damit war ich dann erstmal wirklich bedient. Allerdings bin ich nicht dafür bekannt schnell aufzugeben. Ich dachte also, dass die MB NL für mein normales Auto mit Sicherheit die beste Wahl ist, aber mit einem solchen Projekt doch sehr wahrscheinlich nichts anfangen kann, bzw. ich es nicht bezahlen will. Ich bin also auf die Suche nach einer Alternative. Wir haben Juli 2012, ich gebe jetzt einfach nicht auf.

Mercedes-Benz GE 280 Cabrio, H-Kennz., Warn 8274, TÜV

280GE

so lautete die Headline der Anzeige die ich im Juni 2012 fand. Genau was ich haben wollte! Weiter ging die Fahrzeugbeschreibung mit „Fahrzeug ist dem Alter entsprechend in einem sehr selten zu findenden Zustand und kann 08/2013 mit H-Kennzeichen zugelassen werden. Unterboden, Rahmen und Achsen, sehr gut! An der Karosserie wurden Roststellen schon mal behandelt. Technik, wie Allrad, Getriebe, Sperren etc. arbeiten einwandfrei. Sehr gute Bereifung 31×10,5R15 auf orig. BBS Alufelgen. Nächster TÜV bzw. Abnahme für H-Kennzeichen ohne Bedenken! Seilwinde Warn 8274 voll funktionstüchtig und eingetragen! Hinten Zugmaul- und Kugelkopfkupplung, FZG springt sauber an und läuft mit ca. 15-17 Liter/100 KM! Das Cabriodach und dessen Scheiben ohne Risse oder sonstiges! Es handelt sich um ein ehrliches unverbasteltes G-Modell mit unverwüstlichem 280er 6-Zylinder Motor im Originalzustand. Künftig mit H-Kennzeichen ein Klassiker!“

Anzeige Juni 2012 280GE
Die mobile.de Anzeige des 280GE Cabrio

Blau-Metallic. 245000Km 5 Gang Schaltgetriebe. 9500 EUR bei der Beschreibung. Da musste ich anrufen. Der nette Herr am anderen Ende der Leitung erzählte mir dann, dass seine Frau KFZ-Meisterin sei und sie beide als Hobby G’s restaurieren. Der angebotene 280er wäre als nächstes Projekt dran gekommen, aber nun sei seine Frau schwanger und deshalb käme das erstmal nicht mehr in Frage.

Damit war ich dann endgültig angefixt. Eine KFZ Meisterin wird sich keinen Mist kaufen. Wir machten einen Termin. Der Wagen stand beim Arbeitgeber der Frau, einer Renault Werkstatt in der Nähe von Heidelberg.

Wie er dort stand … gar nicht schlecht. Ich hatte natürlich alle Websites und Literatur gelesen um zu wissen wohin man gucken musste. Und das machte ich dann auch.

Oh welch ein Leid … der Wagen war weich. Überall! Die Türen, die Schweller, das Heck, die Kotflügel wohin man schaute Rost. Auch die Stossdämpferaufnahmen am Rahmen hinten waren fertig. Enttäuscht von dem Zustand, war ich aber nach 2 Jahren der Suche in einem Zustand in dem das rationale Denken irgendwie beeinträchtigt war. Ich machte eine Probefahrt.

Der Motor sprang wirklich sofort an. Nahm ordentlich Gas an. Auf den ersten Blick also dort keine Probleme. Wir fuhren vom Hof und drehten eine Runde. Das war dann schon ein Spass. Er zog gut durch, war ein wenig schwammig, was ich aber erstmal auf die groben Stollenreifen schob.

Auf dem Weg kam auch mal der Allrad rein. Als ich dann umdrehen wollte und der Allrad noch drinnen war, war anfahren mit eingeschlagenem Lenkrad nicht möglich. Ich hatte glatt vergessen, dass mit dem Allrad die „Mitte“ schon gesperrt war. Es gab eine laute Fehlzündung und dann war der Motor aus. Okay, Allrad raus, Schlüssel umgedreht und alles war wieder gut.

Wir kamen also zurück und ich diskutiere den Preis. Ganz ehrlich, ein 280er Cabrio war ja nun schwer zu finden und das bisschen Blech kann so teuer nicht werden, dachte ich. Also war ich gewillt diesen G als Basis für eine Restauration zu erwerben. Wir wurden uns bei 8500 EUR einig. Ich zahlte BAR und holte das Auto eine Woche später bei dem Renault Händler ab. In der Woche hatte ich ihn zugelassen und überführte ihn also so auf eigener Achse.

280GE Abholen 1
Abholung #1

280GE Abholen 2
Abholung #2

Wie sehr man sich doch, auch wenn man glaubt gut informiert zu sein, irren kann und wie sehr man sich doch auch verschätzen kann was ein „bisschen“ Blech kosten soll, sollte ich noch nicht ahnen. Man darf auch auf keinen Fall die „kriminelle“ Energie unserer Mitmenschen unterschätzen, und muss wenigstens auf ein wenig Betrug eingestellt sein. Nun, das hätte mich schon nach dem ersten Vergleich mit der Anzeige und dem realen Bild abschrecken müssen, nur wie war das mit der Beeinträchtigung des rationalen Denkens noch Mal?

„Warum ein G“ oder „Wie ich auf den G kam“

Von Kindesbeinen an, war alles mit Motor was auf vier bzw. zwei Rädern fuhr, schwamm oder flog ein fester Bestandteil meiner Gedankenwelt. Vor ca. 5 Jahren erreichte der Wunsch nach einem „Spielzeug“ ein Niveau welches nicht mehr zu ignorieren war.

Die Parameter des Spielzeuges … Offen und vier Sitze, damit die ganze Familie mit kann. Historisch, damit wir auch an Oldtimer Rallyes, Ausfahrten und Treffen teilnehmen könnten. Eigentlich hatte ich noch V8 und 1000 PS auf dem Wunschzettel, aber ich merkte schnell, dass irgendwo auch Kompromisse nötig sind.

Leider schieden bei diesen Parametern einige der „Klassiker“ aus. Ein alter SL zum Beispiel hätte mir gefallen. Auch ein offener 911, am besten mit „meinem“ Baujahr. Oder ein Alfa Spider. oder, oder, oder … Aber alles ohne vier Sitze. Plötzlich merkt man doch, dass offene 4 Sitzer nicht so oft vorkommen. Ein W111 wäre schön, aber unbezahlbar. So ging das immer weiter, entweder sehr teuer, oder nicht mein Fall. Ich wollte auch keinen VW Golf haben. Ein offener W123 war mir auch zu langweilig.

Eine schöne Erinnerung an die eigene Jugend war die Antwort. Ein offener 300GD war in der Zeit recht präsent. Er gehörte den Eltern eines sehr guten Freundes, welche auf einer Burg ein Restaurant betrieben.

Die Burg steht auf einem Berg, inmitten eines Waldes. Der Weg dorthin ist steil und im Winter nicht geräumt. Einer der Gründe warum der G hier eine perfekte Wahl war. Wie das mit den „Jungs“ so ist, hatten wir mit dem Wagen viel Spass, sowohl auf und abseits des Asphalts.

Es ist verjährt, deshalb kann man es wohl schreiben. 1990, als wir mal wieder Fussball Weltmeister wurden, fuhren wir mir den G nachts offen durch die Stadt … in meiner Erinnerung waren 10 und mehr Leute im Auto und grölten, hupten und feierten. Ein Ereignis das man sein Leben nicht mehr vergisst (die WM) und auch nicht die Umstände mit denen man es erlebt hat.

Eine weitere schöne Erinnerung war dann eine Fahrt mit vier Jungs in die Sommerferien nach Süd-Frankreich. Die Fahrt hat eine kleine Ewigkeit gedauert, aber wir hatten vor allem auch viel Spass. Der G war immer dabei.

Sehr weit entfernt von 1000PS und einen V8 gab es zu der Zeit im Serien G-Modell auch nicht. Also machte ich mich auf die Suche nach einem zivilen offenen 280GE der bald ein H Kennzeichen bekommen könnte oder schon eines hat. Das war 2010.

Leider musste ich schnell feststellen, dass die G’s nicht sehr weit verbreitet sind und Autos mit historischer Zulassung eher Seltenheitswert hatten. Für mich kam erschreckend hinzu, dass die angebotenen Wagen oft weit entfernt vom dem waren, wie sie mal ausgeliefert wurden, oder sich in einem Zustand befanden, den man als „Schrott“ bezeichnen muss.

Es mag daran liegen, dass ein G nicht nur wie ein Nutzfahrzeug aufgebaut ist, sondern auch wie ein solches behandelt wird und wurde. In einem entsprechendem Zustand befinden sich die Autos dann auch nach 20 Jahren Dienst im Wald, auf dem Feld, bei der Feuerwehr, dem Bundesgrenzschutz oder als Lastesel vor grossen Anhängern mit Pferden und Booten. Da nur „Mittel zum Zweck“ scheint die Pflege oft nicht wichtig gewesen zu sein.

Eine Militär Version des G, also den Wolf, wollte ich auch nicht haben. Die Klappscheibe find ich doof. Die Militär G’s haben zum allergrößten Teil den 240er Diesel. „Historisch“ ist das dann auch nicht, wenn man den vollständig umbaut und am Ende kein Wolf sondern ein anderes Auto auf dem Hof steht. Auch wenn die historische Authentizität nicht im Vordergrund steht, sollte der Wagen doch wenigstens in die Richtung gehen, die ein Auto diesen Typs in seinem Leben gegangen sein könnte.

Im Juni 2012 habe ich dann eine vielversprechende Anzeige im Netz gefunden. Nach 2 Jahren der Suche, dachte ich am Ende angekommen zu sein. Was ich zu der Zeit nicht wusste, der Weg sollte noch lang und steinig werden …