Tatütata … willkommen in unserer Garage!

Projekt: Mercedes-Benz 811D - Feuerwehr LF8/6 - 1990

Oder: Wie meine Frau bei einer Rallye-Vorbereitung ihr Feuerwehrauto fand

Manchmal sucht man ein Auto. Und manchmal findet ein Auto einen, obwohl man eigentlich etwas völlig anderes vorhatte.

In unserem Fall beginnt die Geschichte nicht mit einer Verkaufsanzeige, sondern mit der Vorbereitung einer Orientierungs-Rallye für den Porsche Club Mainz. Meine Frau, Sohn und ich waren in Sachen Prüfung der Strecke, des Roadbooks, der Aufgaben und Organisation unterwegs. Dabei führte uns der Weg auch zur ClassicBid (das Ziel der Rallye) nach Grolsheim – und dort stand es: groß, rot und kaum zu übersehen.

Projekt: Mercedes-Benz 811D - Feuerwehr LF8/6 - 1990

Ein Mercedes-Benz 811 D, Baujahr 1990, mit Rosenbauer-Aufbau. Ein LF 8, also ein Löschgruppenfahrzeug mit einer Nennförderleistung der Pumpe von 800 Litern pro Minute und einem Löschwassertank von 800 Litern.

Meine Frau hat sich jedenfalls „verguckt“.

Nicht spontan im Sinne von: „Der ist ja ganz nett.“ Sondern eher im Sinne von: „So einen wollte ich schon immer haben.“

Und tatsächlich ist der Wunsch nach einem eigenen Feuerwehrfahrzeug nicht neu. Er schlummerte schon lange. Bislang hatte er nur weder einen konkreten Aufbau noch 116 PS, Blaulicht und eine zulässige Gesamtmasse deutlich jenseits dessen, was man mal eben mit einem normalen PKW-Führerschein (nach 1999) bewegen darf.

Feuerwehr ist bei uns keine rote Dekoration

Unsere Verbindung zur Feuerwehr beschränkt sich nicht auf die Begeisterung für ein imposantes historisches Fahrzeug. Wir fühlen und der „Feuerwehrfamilie“ der Freiwilligen Feuerwehr Appenheim zugehörig.

Unsere Kinder sind seit ihrem achten oder neunten Lebensjahr in der Jugendfeuerwehr. Das älteste Kind ist inzwischen seit einem Jahr im aktiven Dienst. Über all die Jahre erlebt man, dass Feuerwehr viel mehr ist als rote Autos, Blaulicht und Technik. Feuerwehr bedeutet Gemeinschaft, Verlässlichkeit, Ausbildung, Verantwortung und die Bereitschaft, dann da zu sein, wenn andere Hilfe brauchen.

Vielleicht schaut man deshalb auch etwas anders auf ein ausgemustertes Löschfahrzeug. Man sieht nicht nur einen Mercedes-Transporter mit Aufbau. Man sieht ein Stück kommunaler Geschichte. Einen Arbeitsplatz, in dem Mannschaften gesessen, sich auf das Kommende vorbereitet haben. Ein Fahrzeug, das vermutlich unzählige Male kontrolliert und gepflegt wurde – damit es im Ernstfall vom ersten Meter an funktioniert.

Genau dieser letzte Punkt ist technisch nicht ganz unwichtig.

Nur 34.000 Kilometer – wirklich nur?

Das Infoblatt von ClassicBid beschreibt den 811er als außergewöhnlich gut erhaltenes Behördenfahrzeug im Originalzustand. Baujahr 1990, 85 kW beziehungsweise 116 PS, Schaltgetriebe und gerade einmal 34.000 abgelesene Kilometer. Dazu Servolenkung, Anhängerkupplung, beheizbare Außenspiegel und der Rosenbauer-Aufbau.

34.000 Kilometer klingen bei einem mehr als 35 Jahre alten Fahrzeug zunächst sensationell. Bei einem Feuerwehrfahrzeug muss man diese Zahl jedoch einordnen.

In den Neunzigern war eine Motorvorwärmung selbst bei großen Wehren keineswegs selbstverständlich. Bei kleinen Wehren ist sie größtenteils bis heute nicht vorhanden. Wenn der Melder geht, wartet niemand darauf, dass Motor und Getriebe gemütlich ihre Betriebstemperatur erreichen. Dann heißt es: starten und los. Im Zweifel Vollgas ab der ersten Sekunde – mit kaltem Motor, kaltem Getriebe und einem schweren Fahrzeug.

Für unsere persönliche Überschlagsrechnung setzen wir die Laufleistung eines solchen Einsatzfahrzeuges deshalb eher mit dem Faktor vier bis sechs an, wenn wir sie mit der Laufleistung eines normal bewegten Fahrzeuges vergleichen wollen. Das ist keine wissenschaftliche Formel, aber eine brauchbare Erinnerung daran, dass ein niedriger Kilometerstand nicht automatisch geringen Verschleiß bedeutet.

Auch im Verkaufsblatt fand sich ein technisches Detail, das uns stutzig machte: Dort werden sechs Zylinder genannt. Nach unserem Kenntnisstand gehört in den 811 D dieser Generation der OM 364 beziehungsweise in der aufgeladenen Ausführung der OM 364 A – ein Reihenvierzylinder. Hubraum und Leistung im Infoblatt passen dazu wesentlich besser als die angegebene Zylinderzahl. Auch hier gilt: Papier ist geduldig, und wir werden uns das Typenschild und den Motor noch genau ansehen.

Donnerstag: ansehen, fahren, verliebt bleiben

Am Donnerstag bekamen wir die Gelegenheit, das LF genauer anzusehen und eine Probefahrt zu machen. Vielen Dank an dieser Stelle an ClassicBid für die Zeit und die Möglichkeit, nicht nur um das Fahrzeug herumzulaufen, sondern es tatsächlich zu bewegen.

Der erste Eindruck blieb positiv. Der 811er ist weitgehend vollständig, wirkt ehrlich und der Leiterrahmen macht insgesamt einen guten Eindruck. Gleichzeitig war der Zustand aus unserer Sicht nicht ganz so „außergewöhnlich gepflegt“, wie es das Exposé vermuten ließ.

Der Motor beziehungsweise die Ölwanne ist ölfeucht. An der Ablassschraube war es sogar etwas mehr als nur ein leichter Film. Auch das Differential zeigt Ölfeuchtigkeit. Das Getriebe hat seine Einsatzjahre ebenfalls nicht vergessen: Der Wechsel vom zweiten in den dritten Gang verlangt Gefühl. Das muss nicht das Ende der Welt bedeuten, gehört aber in eine realistische Betrachtung des Fahrzeugs.

Der Rahmen selbst sieht ordentlich aus. Das LF scheint jedoch schon eine Weile draußen gestanden zu haben. An den Federaugenlagern ist Rost zu sehen, ebenso Korrosion an Karosserieaufnahmen am Leiterrahmen. An der Dachreling hat der Dachaufbau ebenfalls Rost verursacht. Wie weit dieser reicht, lässt sich ohne Demontage nicht sicher beurteilen. Wir hoffen auf Oberflächenrost – aber Hoffnung ersetzt keine Bestandsaufnahme.

Für ein wenig zusätzliche Situationskomik sorgte die Fahrertür. Sie ließ sich am Tag der Probefahrt nicht öffnen. Die vorhandenen Batterien mobilisierten genau noch einen Startvorgang und waren danach nicht mehr zu einer Wiederholung zu überreden.

Kurz gesagt: ein schönes, interessantes und grundsätzlich solides Fahrzeug. Aber eben kein fabrikneues Auto mit rotem Lack, sondern ein ehemaliges Einsatzfahrzeug mit Geschichte, Standspuren und einigen technischen Fragezeichen.

Also eigentlich genau das, was in unsere Garage passt.

Vom Angebot zum Kaufvertrag

Der aufgerufene Freiverkaufspreis von 13.700 Euro erschien uns angesichts des festgestellten Zustands ambitioniert. Vergleichbare LF auf Basis der Mercedes-Benz-Baureihen 811 und 814 werden häufig deutlich günstiger angeboten. Zum Zeitpunkt unserer Besichtigung stand zudem ein nahezu identisches LF 8/6 – dort mit Ziegler- statt Rosenbauer-Aufbau – in der Zollauktion. Der Mindestpreis lag bei 5.000 Euro und sechs Tage vor Auktionsende war noch kein Gebot abgegeben.

Natürlich ist kein altes Feuerwehrfahrzeug exakt mit einem anderen vergleichbar. Aufbau, Wartung, Vollständigkeit, Korrosion, Standzeit und Historie machen schnell große Unterschiede. Trotzdem halfen uns die Vergleichsangebote dabei, Zustand und Preisvorstellung nüchtern einzuordnen.

Hinzu kommt ein strukturelles Thema: Ein Fahrzeug dieser Gewichtsklasse kann nicht von jedem mit einem nach 1999 erworbenen Pkw-Führerschein gefahren werden. Wegen des Leergewichts von etwa 4,2 Tonnen ist ein Ablasten auf 3,5 Tonnen praktisch keine realistische Lösung. Der Kreis möglicher Käufer wird dadurch eher kleiner als größer.

Wir haben unsere Einschätzung nach der Besichtigung offen und sachlich an ClassicBid geschrieben: nicht um das Fahrzeug schlechtzureden, sondern weil wir ernsthaftes Interesse hatten. Wir waren kurzentschlossen und bereit zu kaufen – wenn Zustand, notwendige Arbeiten und Preis zusammenpassen.

Am Montag, dem 20. Juli, folgte ein kurzes Telefonat.

Danach war der Kaufvertrag geschlossen.

Manchmal braucht es eben keine endlosen Verhandlungen. Manchmal braucht es eine ehrliche Besichtigung, eine ausführliche E-Mail und ein kurzes Gespräch zur richtigen Zeit.

Was vor der Übergabe noch passiert

Bevor das LF zu uns kommt, wird die Fahrertür repariert. Neue Batterien werden eingebaut. Außerdem erhält das Fahrzeug eine neue Haupt- und Abgasuntersuchung sowie ein Gutachten für die H-Zulassung als historischer LKW.

Für den zivilen Betrieb muss die Sondersignalanlage entsprechend vorbereitet werden. Vereinbart ist, sie elektrisch außer Betrieb zu nehmen. Die Blaulichter dürfen am historischen Fahrzeug verbleiben, müssen bei Fahrten im öffentlichen Straßenverkehr jedoch abgedeckt werden. Ob auch die vorhandene Feuerwehrbeschriftung unverändert bleiben kann, wollen wir sicherheitshalber mit dem Prüfer abstimmen.

Irgendwann im August soll es dann so weit sein: Übergabe, Heimfahrt und die offizielle Ankunft in unserer Garage.

Historisches Feuerwehrfahrzeug oder Wohnmobil?

Zunächst soll der Mercedes als historisches Feuerwehrfahrzeug erhalten und genutzt werden. Dafür spricht nicht nur die weitgehend originale Substanz, sondern auch unsere persönliche Verbindung zur Feuerwehr. Ein LF 8/6 mit Rosenbauer-Aufbau ist mehr als eine große rote Basis für irgendein Projekt. Es ist erhaltenswertes technisches Kulturgut.

Trotzdem existiert da noch eine zweite Idee.

Der Ausbau zum Wohnmobil oder Reisefahrzeug ist gedanklich keineswegs vom Tisch. Der Aufbau bietet Platz, der 811 D ist robuste Nutzfahrzeugtechnik und ein ehemaliges Löschfahrzeug bringt bereits eine gewisse infrastrukturelle Fantasie mit. Andererseits verschwinden Originalität und Feuerwehrgeschichte schnell, wenn man ohne klares Konzept agiert.

Wir werden uns deshalb Zeit lassen. Erst kennenlernen, dann entscheiden. Zunächst wollen wir wissen, was technisch wirklich zu tun ist. Wir wollen fahren, zuhören, kontrollieren, abdichten und erhalten. Vielleicht bleibt es dauerhaft Feuerwehr. Vielleicht entsteht irgendwann ein behutsam umgebautes Reisefahrzeug. Vielleicht finden wir einen Weg, beides miteinander zu verbinden.

Fest steht bislang nur: Es wird nicht bei diesem einen Artikel bleiben.

Es folgen die Abholung, die erste richtige Bestandsaufnahme, ein Blick auf Motor, Getriebe, Rahmen und den Aufbau, die Erfahrungen mit H-Abnahme und Zulassung – und natürlich die Frage, wie man ein Löschgruppenfahrzeug sinnvoll in einer Garage unterbringt, die eigentlich schon vorher voll war. Wir suchen noch einen Stellplatz!

Bis dahin sagen wir aus alter Tradition:

Willkommen in unserer Garage!

Prolog zur Europa Tour 2024 – nasse Füße im 17m

P7b - Türdichtung - Fahrerseite

Am 24. April 2024 starten wir zur Europa Tour 2024. Letztes Jahr sind wir mit dem SL nach Elba gefahren. Vor zwei Jahren haben wir mit dem 17m in Österreich gewonnen. Es fällt damit die Wahl der Waffe für dieses Jahr wieder auf den 17m.

Ende 2023 habe ich, vor dem Einmotten, noch TÜV (mit Hindernissen) gemacht. Vor der Tour ging der Wagen zur kleinen Inspektion in die Werkstatt. Flüssigkeiten, Ölwechsel, mit Filter. Die kleine Undichtigkeit an der Benzinpumpe ist zu beheben. Die Dichtung am Abgang der Tachowelle zu erneuern, weil auch dort ein bisschen Getriebeöl raus kommt. Warum auch immer Herr Will damals das Zwischenstück des Rallye Counters am Getriebe und nicht am Tacho angebracht hat, wird mir ein ewiges Rätsel bleiben.

„Last but not least“ schauen warum bei Regen Wasser in den Fußraum des Fahrers eintritt. Dies fiel mit letztes Jahr bereits auf. Leider zu spät, denn der 54 Jahre alte Teppich hat sich mit der Feuchtigkeit leider teilweise aufgelöst.

Die Standards der Inspektion sind durchgeführt worden und zum Wassereintritt gab es einen Hinweis wo das Wasser reinkommt. Es läuft an der Tür oberhalb des ersten Scharniers auf die Innenseite der Tür und dann unten in den Fußraum. Der Vermutung nach ist das Dichtungsgummi nicht mehr fit. Eine schnelle Lösung hat der Kollege in der Werkstatt nicht zur Hand. Empfehlung: Das Gummi tauschen.

Kurzum bestelle ich bei Motomobil noch einen ganzen Satz für alle vier Türen nebst passendem Kleber. Ich gehe natürlich davon aus, dass alle Dichtungen dran sind. Die Teile kommen am 23.04. an. Leider bin ich an dem Abend kommunalpolitisch gebunden, aber am 24.04. habe ich schon den ganzen Tag Urlaub. Ausserdem kann es doch nicht lange dauern so ein bisschen Gummi zu tauschen.

Frisch am morgen des 24. April begebe ich mich also in die Garage und direkt ans Werk. Das „alte“ Gummi sieht nicht alt aus. Es geht ganz leicht ab. Könnte es sein, dass es schon in Bockenau ersetzt wurde? Darunter aber das pure Grauen!

P7b - Türdichtung - Fahrerseite

So sieht es leider um die ganze Tür herum aus. Mehrere Lagen verschiedener Klebstoffe. Denen ich mit Waschbenzin, Bremsenreiniger und Ballistol Öl zu Leibe rücke. Ausserdem, und das war am Ende der Game Changer, einem kleinen Schaber mit Kunststoffklingen und einem groben Microfasertuch.

Lebensaufgabe

Nach 4 Stunden (VIER STUNDEN) sah es dann so aus:

Sollte mir der Rost an der Unterseite Grund zur Sorge geben?

Anschliessend bringe ich rund herum mit einem Pinsel den neuen Kleber auf. Gleiches mache ich mit der neuen Dichtung, die ebenfalls mit Kleber bepinselt wird. Leicht antrocknen lassen und dann mit Druck die Dichtung anbringen. Die Dichtung ist gut einen Zentimeter zu lang. Das Problem läßt sich aber mit einer Schere lösen. Den Versatz habe ich auf der Höhe des Schlosses gemacht. Da hat man es am besten im Blick.

Bilder von der fertigen Tür habe ich keine mehr gemacht. Die Zeit rennt ja bereits wie wild, denn Abends geht es nach Bad Kreuznach ins Starthotel. Als Test, und weil ich das Auto wenigstens ein bisschen sauber am Start haben möchte, geht es noch schnell in die Waschanlage.

Das war es dann nicht …

Leider ist das Problem weiterhin existent. Die Dichtung ist nicht die schuldige Komponente, oder aber die Dichtung von Motomobil passt schlicht nicht. Das Wasser läuft weiterhin an der gleichen Stelle rein. Da ich keine Zeit mehr habe das Problem tiefer zu untersuchen wird nun ein Handtuch mit auf Tour genommen. Eingeklemmt zwischen Tür und Schweller, und auf der Gummimatte liegend, wird es hoffentlich das meiste Wasser abhalten bzw. aufnehmen. Nach der Wäsche wird noch gesaugt und einmal durchgewischt.

Gepäck einladen. Rallye Counter und Average Clock einbauen und ab nach Bad Kreuznach. Für Freitag ist Regen angesagt. Irgendwas ist ja immer. Abends Fahrerbesprechung und Meet and Greet. Man kennt sich nach all den Jahren und freut sich immer alle mal wieder zu sehen. Am nächsten Morgen dann der Start, bei strahlendem Sonnenschein, in die erste Etappe der Europa Tour 2024!

Europa Tour 2024 - Start zur ersten Etappe!

Ahr-Rotwein-Klassik 2021

Ahr-Rotwein-Klassik 2021 - S7 - Sieger

Am 11. Juli ist im Ahrtal wir Welt noch in Ordnung. Wir fahren diese Veranstaltung zum dritten Mal und freuen uns jedes Jahr auf dieses Event. 2019 sind wir mit dem Porsche 911 gefahren und haben den 2. Rang erreicht. 2020 waren wir nicht ganz so erfolgreich und landeten im Mittelfeld. Aus Sport wurde Tourensport. ORI Aufgaben weichen der Bildersuche und das ist bekanntermaßen für uns eher ein Graus als Freude. Aber auch 2020 hatten wir dennoch Spass, denn die Veranstaltung an sich ist immer schön und man trifft viele liebgewonnene Weggefährten.

2021 ist der übliche Ort für Start und Ziel (der Kurpark in Bad-Neuenahr Ahrweiler) eine Baustelle. Deshalb startet die Rallye dieses Jahr in Grafschaft. Es gibt ein buntes Rahmenprogramm und ein sehr großes Teilnehmerfeld. Frühstück im Freien mit Freunden, eine sehr nette Kundin kommt mit Mann und Tochter zum Autos gucken und wir starten pünktlich in die Veranstaltung um 10:04:00.

Ahr-Rotwein-Klassik 2021
Ahr-Rotwein-Klassik 2021 – Teilnehmerfeld

Was auch immer die Touristen dieses Jahr zu tun hatten, wir hatten diesmal nur ein „paar“ Bilder. Dafür gab es aber viele gute andere Fahraufgaben, Kartenaufgaben, Chinesen und GLPs.

Sonderprüfung

Eine Sonderprüfung ist besonders launig. Ein Parkur in einem Gewerbegebiet. Start an der Lichtschranke, scharfe Rechtskurve, kurzes Bergaufstück, dann eine enge Linkskurve. Es folgt eine kurze Gerade auf der versetzt drei Bretter liegen. Zwei auf der rechten Seite, eines auf der linken Seite der Strasse. Das rechte Brett muß mit beiden rechten Rädern überfahren werden, dann Wechsel auf die andere Strassenseite und mit beiden linken Rädern das linke Brett überfahren. Wieder Wechsel der Fahrbahn und wieder mit den rechten Rädern das rechte Brett überfahren. Immer in voller Länge des Brettes. Der Abstand ist natürlich so gewählt, dass man nicht viel Weg/Zeit für den Wechsel hat. Es folgt eine enge Linkskurve, gefolgt von einer spitzen Linkskurve, dicht gefolgt von einer 90° Rechtskurve. Durch die Lichtschranke durch und hinter der Lichtschranke auf einem Bierdeckel, der am rechten Strassenrand liegt, mit dem rechten Vorderrad zum Stehen kommen. 01:18,500 ist die Zeit. Der Bierdeckel ist perfekt unter dem Gummi.

Soweit so gut, nun müssen wir die ganze Sache wiederholen. Jedenfalls bis auf den Bierdeckel und in exakt der gleichen Zeit. Warum auch immer lasse ich mir bei der Bestätigungsrunde für die ersten 200m viel Zeit und fahre viel zu entspannt über die Bretter. Als meine Beifahrerin dann aber zwei Kurven vor Schluss anfängt von 10 runter zu zählen, kommt Panik auf. Vollgas (obwohl nur 75 PS, der V4 tritt gut an). Die letzte spitze Kurve links geht es mit quietschenden Reifen herum, 3—2, die 90 Grad Kurve rechts dann schon im Drift, im Kofferraum schlägt der Werkzeugkoffer Purzelbäume, 1—0—.—, und durch die Lichtschranke. Im Anschluss muss ich erstmal an den Strassenrand fahren und anhalten um im Kofferraum wieder alles an seinen Platz zu stellen und den Blutdruck nebst Puls zu senken. Was für eine wilde Fahrt. Der Spass ist aber groß bei der Aktion und alle Umstehenden grinsen in der breitesten Art und Weise.

Die weiteren Kartenaufgaben, Gleichmäßigkeitsprüfungen, Sollzeitprüfungen, Chinesen, Bilder und die stummen Wächter haben wir auch ganz gut hinbekommen. Sodaß wir frohen Mutes und in der Hoffnung auf den Anzug auf das Treppchen wieder in Grafschaft einlaufen.

Ahr-Rotwein-Klassik 2021 - S7 - Sieger
Ahr-Rotwein-Klassik 2021 – S7
Siegerehrung

Bis der letzte Tourist (150 Starter in Summe) eingelaufen ist, die Bordkarten ausgewertet sind und alles weitere vorbereitet wird, vergehen sicherlich noch 2h. Bei etwas mehr als einer 1h Heimfahrt entscheiden wir uns noch vor der Siegerehrung den Heimweg anzutreten. Die Kinder sind alleine zu hause. Nach einer kleinen Stärkung und einem Kaffee machen wir uns über die A60 auf den Weg nach Appenheim. Freunde, die die Siegerehrung abwarten, bitten wir ggfs. anfallende Trophäen mitzunehmen.

Ahr-Rotwein-Klassik 2021 - Heimfahrt
Ahr-Rotwein-Klassik 2021 – Heimfahrt

Im weiteren Verlaufes des Abends ereilt uns per WhatsApp dann die Nachricht, daß wir gewonnen haben! 🏁 😊 Mit 88,7 Strafpunkten können wir in der sportlichen Klasse den Sieg erringen. Der Zweite hat schon 129,4 Strafpunkte und ein Fahrzeug von 1989. Der Pokal ist, wie immer beim AAC, etwas anders als „üblich“. Dieses Jahr ist es eine zur Uhr umfunktionierte Bremsscheibe. Sehr chic und sie hängt auch schon in der Garage an der Wand. Der 1. Platz bringt viele Punkte für die Clubmeisterschaft. Die können wir gebrauchen nach den eher durchwachsenen Ergebnissen der ersten Läufe. Vielleicht können wir in der Mittelrhein Meisterschaft doch noch auf das Podium fahren?

Ahr-Rotwein-Klassik 2021 - Pokal
Die Flut

In der Nacht des 14. Juli 2021 rollte durch das Ahrtal eine historische Flutwelle. Der Schock sitzt auch bei uns tief, obwohl wir mehr als einhundert Kilometer weit entfernt sind. Viele Bekannte aus dem Rallyesport wohnen im Ahrtal und der Umgebung. Die Vorstellung, daß ganze Ortsteile und Häuser, an denen wir am Sonntag noch vorgefahren sind, nicht mehr existieren, ist schwer zu ertragen. Noch schlimmer ist der Gedanke, daß Menschen die am Sonntag noch an der Straße standen und den Oldtimern zugejubelt haben, ihr Leben verloren haben könnten, oder Angehörige vermissen müssen. Als die Nachricht kommt, dass der AAC Bad Neuenahr-Ahrweiler eine Spendenaktion ins Leben gerufen hat, spenden wir umgehend 500 EUR und helfen bei einem befreundeten Team mit einem Stromgenerator aus. Man kann noch immer Spenden und die Kollegen vor Ort sorgen dafür, daß die Hilfen direkt zu denen kommen, die es am dringendsten brauchen.

Volksbank RheinAhrEifel eG – IBAN DE58 5776 1591 0011 8025 00 – BIC GENODED1BNA

Ahr-Automobil-Club Bad Neuenahr 1924 e.V. »Spende Ahrtal Flut«

Rückfragen bitte an den 1. Vorsitzenden des AAC Bad Neuenahr-Ahrweiler, Herrn Hermann-Josef Doll.

Bäääm – Saisonende 2020

300GD bei der Rhein-Hunsrück-Classic 2020

Corona überall … diese Saison haben wir wirklich nicht viele Veranstaltungen gehabt. Die Pandemie hatte alles im Griff und so konnten sehr viele Veranstaltungen nicht durchgeführt werden. Einige wenige Veranstalter haben verschoben und wieder verschoben und dann abgesagt. Nicht so ist es am 10.10.2020 mit der 6. Auflage der Rhein-Hunsrück Classic (RHC) von Jörg Haupenthal und seinem Team geschehen. Sie findet statt!

Ich hatte auf Facebook immer mal wieder darüber gelesen. Jörg betreibt die Kommunikation maßgeblich über die sozialen Netzwerke wie Facebook und Instagram. Eigentlich sollte sie Ende Mai stattfinden. Zu dieser Zeit arbeiten wir uns in der Regel eng am „ADAC Rennkalender“ ab, wenn es um die Mittelrhein-Klassik-Meisterschaft geht. Daher haben wir wenig bis keine Termine für Veranstaltungen ausserhalb der Serie frei. Die Meisterschaft ist 2020 ausgefallen, der Termin im Oktober passt. Meine Beifahrerin ist allerdings an dem Tag nicht verfügbar.

In der Ausschreibung steht „Roadbook mit Chinesenzeichen“. Mein Vater hat schon eine ORI Schulung bei uns im Club absolviert. So ein Sprung ins kalte Wasser kann ja nicht schaden. Also frage ich an, ob er am 10.10. Lust und Zeit hat mit mir und dem G ein wenig am Rhein und im Hunsrück herumzufahren. Ich bekomme prompt eine Zusage und so sende ich die Nennung an Jörg Haupenthal. Es kommt auch sehr schnell ein Feedback … die Veranstaltung ist ausverkauft. Aber wir können auf die Warteliste. Na gut … schauen wir mal.

Es dauert aber gar nicht lange bis wir die Nachricht bekommen, dass wir nachgerückt sind. Die Nennbestätigung flattert ins Haus. Startnummer 15. Der Zeitplan ist akribisch durchgeplant. Start, Pause und Ziel befinden sich in der Classic-Bid in Grolsheim. Die Hygieneregeln sind klar und einfach einzuhalten. Es gibt viel Raum für Fahrzeuge und Teilnehmer.

Die Ankunft geht gesittet und geordnet von statten. Bei der Einfahrt auf das Teilnehmergelände erfolgt eine kurze technische Abnahme. Schnell sehen wir einige bekannte Gesicherter und treffen uns zum „seltenen Hallo“ in diesem Jahr. Es gab viele Absagen aber auch eine gut gefüllte Warteliste und so ist das Starterfeld bis auf den letzten Platz ausgebucht.

Fahrerbesprechung vom Balkon mit Megafon

Rhein-Hunsrück-Classic 2020

und Abstand versteht sich. Teamweise und vorbildlich.

Im Anschluss geht es auch schon los. Mit RallyeCounter 2 im Auto und einem schönen Bordbuch sehen wir einem schönen Ausflug in den Hunsrück entgegen und werden auch nicht enttäuscht. Es läuft mit Karte und Chinesen (aus unserer Sicht) reibungslos und auch die Geschicklichkeitsspiele machen Spass. Die Fragen auf der Strecke lösen wir souverän. Den Weg finden wir in der Tat mühelos. Ein kleiner Fehler schleicht sich ein, damit haben wir einen stummen Wächter nicht. Die Bordkarte wird mindestens 20 Strafpunkte ausweisen.

300GD bei der Rhein-Hunsrück-Classic 2020
300GD bei der Rhein-Hunsrück-Classic 2020

Die letzten zwei Prüfungen. Rückwärts an die Stange (mit Ball oben drauf). Mit einem G und einem Reserverad ein Kinderspiel. Wir waren dran, sehr nah dran. Wenn der Wind fester weht, wird die Verkleidung der Radabdeckung den Ball zum fallen bringen. So nah dran, dass ein anderes Messmittel geholt werden muss. Es wird eigentlich mit einem Schullineal für die Tafel gemessen und nun muss doch der Zollstock her. Dann noch die Entfernung von einer Linie aus dem Auto heraus zu einem Container schätzen. 8m behaupte ich. Es soll nah dran sein, wie sich später herausstellt.

300GD bei der Rhein-Hunsrück-Classic 2020

Wieder in der ClassicBid angekommen nehmen wir ein schönes Mahl zu uns. Essen kann man dort wirklich gut. „Haupe“ macht eine launige Siegerehrung. Wir haben insgeheim spekuliert unter die ersten 5 zu kommen, aber als dann schon der 2. Platz in unserer Klasse geehrt wird, lassen wir den Kopf ein wenig hängen. Es hat wohl doch nicht aufs Podest gereicht. Das erste Mal mit Chinesen für meinen Beifahrer. Bei den ersten Fahraufgaben hätte man es besser machen können. Die Selbstzweifel sind groß. Dann aber fängt Jörg an: „Jetzt kommen wir zum Sieger der Klasse II der Fahrzeuge von 1980 bis 1995 und dem Gesamtsieger der heutigen Veranstaltung. Mit 68,6 Strafpunkten, und damit mit deutlichem Vorsprung zum 2. Ein rotes Auto, ein Diesel, Lang … das Team …“

Gesamtsieg!

Welche Freude! Der erste Gesamtsieg und das mit meinem Vater und nicht mit meiner Frau, die normalerweise beifährt. Überglücklich, und insgeheim lachend, denn meine Frau ist in der Clubmeisterschaft aktuell vor mir, weil sie mit unserem Sohn die Beifahrerschulung im März erfolgreich gemeistert hat. Die erneute Schmach wollte ich doch abgewendet wissen. Die RHC ist für uns 2020 die letzte Veranstaltung. Schön war es. Wir kommen wieder!

Gesamtsieger bei der Rhein-Hunsrück-Classic 2020

Nachtrag

Nur der Vollständigkeit halber. Leider hat es mit dem Überholen in der Clubmeisterschaft nicht geklappt. Wegen der Faktoren hat der Gesamtsieg der RHC nicht gereicht um den 2. Platz in der ORI auszugleichen. Unser Sportwart Frank Zimmermann lässt nun auch keine Gelegenheit mehr aus darauf hinzuweisen, dass meine Frau in der internen Clubmeisterschaft vor mir liegt. Ihr ist es egal. Mich wurmt es ein wenig. Aber man muss auch Gönnen können. 2021 geht es wieder von vorne los.

Ijob … und seine Botschaften

Verdammt … gerade habe ich mit Ulf telefoniert. So wie es aussieht wird es nix mit „Fordfahren“ in 2019. Es finden sich mehr und mehr unglaubliche Dinge bei dem Fahrzeug. So wie in Silikon gelagerte Lampenkästen. Auf- und verklebte Bleche wohin man den Schraubenzieher auch reinsteckt. Ende Dezember/Anfang Januar kommen neue Bilder des Grauens … hoffen wir mal die Resto der Landmaschine verläuft besser. Die ADAC Mittelrhein Meisterschaft wollen wir kommendes Jahr mit einem „roten“ Auto bestreiten. Der 911er ist eine geile Fahrmaschine, aber wer Classic Rallyes fährt weiss, daß es davon immer viel zu viele im Starterfeld gibt. Mit etwas außergewöhnlicherem macht es am Ende allen einfach mehr Spaß.

Oldtimertreff Weinhöfefest Burg Layen 2018

Fastbug @ Burg Layen Weinhöfefest 2018

Am 20.05.2018 fand wieder das Weinhöfefest in Rümmelsheim/Burg Layen statt. Als Rahmenprogramm lädt der MSC Bingen zu einem Oldtimertreff. Letztes Jahr habe ich mit dem Ford P7b teilgenommen, dieses Jahr dufte der „schnelle Enkel des Käfers = Fastbug“ teilnehmen, denn er ist jetzt auch ein Oldtimer

Fastbug @ Burg Layen Weinhöfefest 2018
Expose Porsche 911 "Porschino" Mai 2018

aus diesem Anlass habe ich das Expose (liegt vorne in der Scheibe) auch gleich mal überarbeitet. Wer auf Oldtimertreffen fährt sollte den Besuchern ein bisschen etwas über seinen Wagen erzählen. Deshalb fertige ich für jedes meiner Fahrzeuge ein kurzes Expose an. So kann sich auch der Oldtimerlaie ein paar Information zu dem Wagen vor dem er gerade steht beschaffen.

Der Custom G muss gehen …

unser Weg zusammen war nicht sehr lang. Es wurde viel Geld und Zeit investiert und es gab einige Höhen und viele Täler. Als ich dieses Jahr G#4 erwerben konnte war klar, dass der Tag kommt. Bei der Durchsicht im G-Shop24 stellt sich dann noch raus, dass das hintere Rahmenrohr ersetzt werden muss. Damit liegt der „Verlust“ an Geld im fünfstelligen Bereich, von Zeit und Nerven sprechen wir erst gar nicht. Ich hoffe es findet sich jemand der ihm mehr schätzt als ich es tat. Die „Notlösung“ hat immerhin 2 Jahre auch Freude gebracht. 

Oberehe Klassik 2017 - WP Rundkurs

Wer einen originalen Oldtimer sucht wird hier nicht fündig. Wer einen geilen Headturner haben will, der im Gelände was kann und sonst laut, langsam und archaisch ist, ist hier richtig. Der Wagen wird über den G-Shop24 verkauft und der Erlös geht in das neue Projekt. Ein Exposé gibt es hier. Eine Menge Geschichten zu dem Wagen gibt es in diesem Blog. Der Wagen hat unter anderem beim Gamboree 2017 den Preis für den ältesten teilnehmenden G bekommen und an vielen Oldtimer Rallyes teilgenommen … 

Update!

Das hintere Rahmenrohr wurde ersetzt, der Wagen hat neu TÜV bekommen und die Rad-/Reifenkombination ist jetzt eingetragen. Irgendwie konnte ich mich bis jetzt aber noch nicht trennen und die Corona-Krise macht es sicherlich nicht einfacher. Ich habe keinen Druck den Wagen zu verkaufen, und so haben wir noch ein paar schöne Momente mit ihm. Wenn jemand kommt und sich „würdig“ erweist, werde ich ihn dennoch verkaufen.

G#4 – die Landmaschine

300GD Scheune

Zufälle passieren und das Leben beschreibt ihre Geschichten. Sankt Martin 2017 spricht mich ein Freund an. „Markus, Du kennst Dich doch mit Mercedes Geländewagen aus.“ Auskennen ist ein so grosses Wort, aber ich bejahe die Frage und bin gespannt wie es weitergeht. Der Onkel der Frau hat einen landwirtschaftlichen Lohnbetrieb, den er nun aus Altersgründen aufgibt. In einer Halle steht ein altes G Modell, dass er 1982 gekauft und bis 2006 sowohl betrieblich als auch privat genutzt hat. Welches Modell, Farbe, Zustand kann er mir nicht sagen. Wohl aber, dass ein Schrotthändler für „alles“ 3000 EUR geboten hat. Das wiederum kommt mir sehr wenig vor und ich bitte darum, mehr Informationen zu beschaffen.

Diese folgen prompt einen Tag später. Ein roter langer 82er 300GD. Fahrgestellnummer 460 333 17 024212, 248.267 km gelaufen. Ausserdem ein Unimog Typ 406 Baujahr 1966 mit 6365 Betriebsstunden. Zum Unimog kann ich nicht viel beitragen, aber der G alleine ist immer viel mehr als 3000 EUR wert, wenn er noch alleine auf 4 Rädern stehen kann. Ich bitte um Fotos, die ich einige Tage später auch bekomme.

300GD Scheune

Man sieht nicht viel, wohl aber, dass er nicht vollends am Ende ist. Mein Interesse ist geweckt. Ich bin mit meinem aktuellen 230G nicht glücklich. Zu viele Pannen und Ausfälle, aber vor allem ist er eben einfach weit entfernt von „Original“. Meine ersten 3 G-Modelle hatten keine bekannte Historie. Das ist hier anders. Ein Fahrzeug vollkommen im Originalzustand aus 1. Hand. Aber es ist ein Diesel! Wer mich kennt, kennt auch meinen Lieblingsspruch zum Thema Diesel: „Wenn ich ein landwirtschaftliches Fahrzeug brauche kaufe ich einen Diesel, sonst nicht.“

Ich erinnere mich zudem an einen Artikel aus der Motor Klassik Ausgabe 9/1999. Dort gibt es die „Kaufberatung Mercedes G-Modell: Starke Diesel sind knapp“ und diese wurde eingeleitet mit dem Satz:

„Grundsätzlich gilt es, zweierlei gebrauchte Mercedes-G zu unterscheiden: Arbeitstiere, die ein hartes Leben hinter sich und viele Reparaturen vor sich haben, und Luxusgeschöpfe, die ihre herrschaftliche Garage nur selten Richtung Abenteuer verlassen haben. Die sollte man kaufen.“

Dieses rote G-Modell ist ein solches Arbeitstier und gewissermassen auch ein landwirtschaftliches Fahrzeug. Die Aussage ist 1999 wahrscheinlich richtig. Heute sehe ich es aber anders. Die Arbeitstiere werden in der Regel gut gewartet. Man verdient damit sein Geld. Der Eigentümer erbrachte Lohnleistungen im Bereich der Landwirtschaft in Form des Einsatzes von speziellen, selbst entwickelten Vollerntemaschinen. Er muss demnach technisch äußerst versiert sein, so mein Gedanke. Der erste G den ich fuhr und der mir das G-Virus verpasst hat, war ein 300GD, wenn auch ein Cabrio. Ich streiche diese zwei Vorbehalte und beschliesse an der Sache dran zu bleiben.

Der Wagen steht viele 100km entfernt zwischen Lüneburg und Hamburg. Nur anhand der Fotos kann und will ich den Wagen nicht taxieren. Im Jahresendgeschäft fehlt mir aber die Zeit mir persönlich ein Bild zu machen. Ausserdem hat es bei den ersten drei G-Modellen auch nichts gebracht, denn ich habe jedes Mal in die braune Masse gegriffen.

Deshalb rufe ich Arno und Nadine vom G-Shop24 an. Die beiden haben schon viel an dem 230G für mich gemacht. Ich vertraue ihnen und erzähle von dem roten G. Der Zufall wieder will es, dass Arno kurze Zeit später auf ein Treffen nördlich von Hamburg fährt und auf dem Weg dorthin den Wagen ansehen kann.

Der Zustand erweist sich als optisch bescheiden, aber substanziell sehr gut. Da der Wagen seit 12 Jahren steht, unternimmt Arno keinen Versuch ihn zu starten oder zu bewegen. Der Rahmen zeigt sich in einem unfassbar guten Zustand. Die Karosserie hat Kampfspuren aber kaum Rost und ist offensichtlich hier und da repariert worden. Dabei ging Funktion und Rostschutz vor Schönheit. Dennoch effektiv, denn der Wagen zeigt keine der üblichen Durchrostungen.

Ich werfe meinen Hut in den Ring und mache ein mir fair erscheinendes Angebot. Es ist ein vielfaches dessen was der Schrotthändler bot, mehr sei dazu nicht geschrieben. Der Verkäufer zögert. Nicht ob des Preises, wohl aber, weil er an dem Wagen hängt. Für mich ein weiteres gutes Zeichen und ich lasse ihm die Zeit, die er braucht. Weihnachten geht vorbei, das neue Jahr kommt und mit ihm am 11. Januar die erlösende Mail. Ich kann den Wagen kaufen.

Wieder schliesse ich mich mit Arno kurz, der den Wagen für mich abholen und bei sich im G-Shop24 restaurieren soll. Was alles zu tun ist wird sich rausstellen. Das Wetter spielt nicht mit und so holt Arno den G erst am 24.02. mit einem geschlossenen Hänger ab.

Abholung 300GD

Der Wagen wurde gewaschen und bekam einen Ölwechsel, denn er soll aus eigener Kraft auf den Hänger fahren können. Das ist dem Verkäufer wichtig und sozusagen sein Abschiedsgeschenk an den G. Der OM617 sprang nach Aussage des Verkäufers beim ersten Dreh des Schlüssels an. Nach 12 Jahren. Respekt.

Als ich den 230G zu Arno bringe, er wird mit all seinen noch immer vorhandenen Baustellen verkauft, schaue ich mir meine Neuerwerbung zum ersten Mal selbst an und sage dem 230er „Adieu“. Ein bisschen Wehmut schwingt mit, denn wir haben als Familie (Gamboree 2017, mehrere Rallyes, Geländefahrschule in Belgien) einiges mit dem Wagen erlebt. Mein Sohn trauert tränenreich und will sich nicht trennen. Wenn man bedenkt wie viel Geld und Zeit in den Wagen geflossen ist, ist es objektiv eine Schande ihn zu verkaufen. Ich werde aber gefühlsmäßig mit den Wagen nicht warm. Autos sind für mich Emotionen und deshalb muß er vom Hof.

Adieu und Willkommen

Der Test der Technik des Neuerwerbs folgt in den nächsten Wochen. Es liegt schon wieder Schnee im Westerwald. Eine komplette Lackierung steht an, soviel steht fest. Selbstverständlich bleibt er rot. Ein paar kleine oberflächliche Rostpickel sind zu entfernen. Die Motorhaube wird wahrscheinlich ersetzt und die Felgen müssen aufgearbeitet werden.

Das Interieur ist vollständig aber knapp 250000 km alt und der Zustand entsprechend. Die Sitze haben ein wenig Schimmel angesetzt und sind auch brüchig. Da ich das Kunstleder nicht mag, werden wir die Sitze vollständig aufarbeiten und mit original MB Karo neu beziehen lassen.

Ich bin gespannt, was dieses Projekt noch für Überraschungen mit sich bringt, freue mich aber riesig und fiebere dem Tag entgegen an dem ich ihn in meiner Garage willkommen heissen kann. Wenn es etwas zu berichten gibt, dann gibt es hier Updates unter dem Tag „300GD“. Aus 230G.de wird nun w460.me und ich habe bald einen Diesel in der Garage.

300GD Erstkontakt

MSC Bingen – Classic Rheinhessische Schweiz 2017

ADAC Classic Rheinhessische Schweiz 2017

Etwas abgelegen, ausserhalb von Erbes-Büdesheim, treffen wir am 25.05.2017 (Vatertag) gegen 0830 zum Startpunkt und Frühstück der ADAC Classic Rheinhessische Schweiz 2017 ein. Mein Beifahrer heute ist mein Vater! Vollkommen unerfahren in Sachen Oldtimerrallye, deshalb fahren wir die Rallye auch nur touristisch und nicht sportlich mit. Die Kinder sind dabei. Wir sind früh aufgestanden und haben noch nicht gefrühstückt.

Nach Kaffee und Brötchen gibt es die Unterlagen und einen kleinen Schock. Wir haben „touristisch“ mit „Gaudi“ verwechselt. Wir haben das gleiche Roadbook wie die Kollegen die die Tour „sportlich“ fahren. Nur haben wir nur eine Sonderprüfung und die Kollegen haben einige GLP auf der Strecke. Ausserdem wählen wir einen Schnitt für die Gesamtstrecke zwischen 43 und 53 km/h (vorher einzutragen auf der Bordkarte) und bei den sportiven ist der Schnitt bei 30 innerorts und 50 ausserorts. Problem: Wir haben nix „richtiges“ dabei um Strecke und Zeit zu messen. Okay, wir haben einen Tageskilometerzähler und wir haben ein Telefon mit Stoppuhr. Axel und ich gehen die Grundlagen durch, Einbahnstrassensystem, kürzester Weg, Schnittberechnung, Würmer. Als alter Fuchs kann mein Vater natürlich die Karte lesen und bereitet sich vor, während ich den Wagen vorbereite. Startnummer, Schild … wir wollen heute einen 45er Schnitt fahren und tragen ihn in die Bordkarte ein. Schauen wir mal.

ADAC Classic Rheinhessische Schweiz 2017

Um 10:00 Uhr plus Startnummer startet die Rallye. Wir haben die 22, starten aber um 10:12 da es dieses Jahr nur 11 Teams gibt. In Summe fahren wir 82 Punkte (Würmer) auf der Karte ab. Wir verfahren uns zweimal … und der Tageskilometerzähler kann nicht rückwärts laufen … also aufschreiben, Strecke zurück und wieder aufschreiben. Die Kilometer müssen später wenn wir den Schnitt ausrechnen abgezogen werden.

Die Strecke führt uns an Orte an denen ich als Wahlrheinhesse trotz der räumlichen Nähe noch nie war. Kriegsfeld  Das ist ein Reiz dieser Fahrten. Man sieht etwas vom Land. 

Irgendwas stimmt aber mit dem G nicht. Am Berg muss ich teilweise bis in den 2. Gang zurück schalten. Er ist so oder so kein Kraftwunder, aber so bescheiden hatte ich das Ganze nicht in Erinnerung. Bergab sehe ich dann, dass ich nach dem Schiebebetrieb kurz dichte blaue Wolken ausstosse. Das ist nicht gut. Also den Schiebebetrieb vermeiden und bei der Pause an Punkt 50 in Dielkirchen mach schauen ob man was sieht. 

Ein Teilnehmer fuhr eine Weile hinter mir her und kam bei der Pause, bei der es Kaffee und Kuchen gab, zu mir. Er bestätigte, dass der Wagen kein Öl verbrenne wenn nicht im Schiebebetrieb lief. Da er selbst aus dem KFZ Business kommt und sich mit Mercedes Motoren auskennt tippt er auf defekte Ventilschaftdichtungen. Ich peile den Ölstand und er ist knapp vor dem Minimum. Zum Glück gibt es an dem Punkt eine Tankstelle und ich besorge einen Liter Öl. Die Hälfte fülle ich ein und ich bin wieder in der Mitte zwischen Min und Max. 

Bei der Abfahrt kommt dann eine Sonderprüfung. Genau 15cm rückwärts fahren. Ich fahre 19cm und bin der Meinung einen guten Wert geschafft zu haben. Meine Euphorie wird bei der Siegerehrung später deutlich gebremst, 19cm ist das zweitschlechteste Ergebnis. Das heisst üben, üben, üben.

Wie auch immer, wir gehen den weiteren Verlauf ruhig an. Auf dem Hinweg hatten wir uns ausgerechnet, dass der Schnitt deutlich über 45 km/h lag. Da es aber kleine Probleme bei der Streckenführung gab, und wir hier und da auch mal angehalten haben, habe ich am Ende doch noch mal ein bisschen mehr Gas gegeben. Das Ende vom Lied … wir hatten dann einen Schnitt von 53 km/h und den 10 Platz (von 11) in der Gesamtwertung. Das können wir besser, meinte auch der Sportwart. Das Motorproblem muss ich dringend angehen.