Ahr-Rotwein-Klassik 2021

Ahr-Rotwein-Klassik 2021 - S7 - Sieger

Am 11. Juli ist im Ahrtal wir Welt noch in Ordnung. Wir fahren diese Veranstaltung zum dritten Mal und freuen uns jedes Jahr auf dieses Event. 2019 sind wir mit dem Porsche 911 gefahren und haben den 2. Rang erreicht. 2020 waren wir nicht ganz so erfolgreich und landeten im Mittelfeld. Aus Sport wurde Tourensport. ORI Aufgaben weichen der Bildersuche und das ist bekanntermaßen für uns eher ein Graus als Freude. Aber auch 2020 hatten wir dennoch Spass, denn die Veranstaltung an sich ist immer schön und man trifft viele liebgewonnene Weggefährten.

2021 ist der übliche Ort für Start und Ziel (der Kurpark in Bad-Neuenahr Ahrweiler) eine Baustelle. Deshalb startet die Rallye dieses Jahr in Grafschaft. Es gibt ein buntes Rahmenprogramm und ein sehr großes Teilnehmerfeld. Frühstück im Freien mit Freunden, eine sehr nette Kundin kommt mit Mann und Tochter zum Autos gucken und wir starten pünktlich in die Veranstaltung um 10:04:00.

Ahr-Rotwein-Klassik 2021
Ahr-Rotwein-Klassik 2021 – Teilnehmerfeld

Was auch immer die Touristen dieses Jahr zu tun hatten, wir hatten diesmal nur ein „paar“ Bilder. Dafür gab es aber viele gute andere Fahraufgaben, Kartenaufgaben, Chinesen und GLPs.

Sonderprüfung

Eine Sonderprüfung ist besonders launig. Ein Parkur in einem Gewerbegebiet. Start an der Lichtschranke, scharfe Rechtskurve, kurzes Bergaufstück, dann eine enge Linkskurve. Es folgt eine kurze Gerade auf der versetzt drei Bretter liegen. Zwei auf der rechten Seite, eines auf der linken Seite der Strasse. Das rechte Brett muß mit beiden rechten Rädern überfahren werden, dann Wechsel auf die andere Strassenseite und mit beiden linken Rädern das linke Brett überfahren. Wieder Wechsel der Fahrbahn und wieder mit den rechten Rädern das rechte Brett überfahren. Immer in voller Länge des Brettes. Der Abstand ist natürlich so gewählt, dass man nicht viel Weg/Zeit für den Wechsel hat. Es folgt eine enge Linkskurve, gefolgt von einer spitzen Linkskurve, dicht gefolgt von einer 90° Rechtskurve. Durch die Lichtschranke durch und hinter der Lichtschranke auf einem Bierdeckel, der am rechten Strassenrand liegt, mit dem rechten Vorderrad zum Stehen kommen. 01:18,500 ist die Zeit. Der Bierdeckel ist perfekt unter dem Gummi.

Soweit so gut, nun müssen wir die ganze Sache wiederholen. Jedenfalls bis auf den Bierdeckel und in exakt der gleichen Zeit. Warum auch immer lasse ich mir bei der Bestätigungsrunde für die ersten 200m viel Zeit und fahre viel zu entspannt über die Bretter. Als meine Beifahrerin dann aber zwei Kurven vor Schluss anfängt von 10 runter zu zählen, kommt Panik auf. Vollgas (obwohl nur 75 PS, der V4 tritt gut an). Die letzte spitze Kurve links geht es mit quietschenden Reifen herum, 3—2, die 90 Grad Kurve rechts dann schon im Drift, im Kofferraum schlägt der Werkzeugkoffer Purzelbäume, 1—0—.—, und durch die Lichtschranke. Im Anschluss muss ich erstmal an den Strassenrand fahren und anhalten um im Kofferraum wieder alles an seinen Platz zu stellen und den Blutdruck nebst Puls zu senken. Was für eine wilde Fahrt. Der Spass ist aber groß bei der Aktion und alle Umstehenden grinsen in der breitesten Art und Weise.

Die weiteren Kartenaufgaben, Gleichmäßigkeitsprüfungen, Sollzeitprüfungen, Chinesen, Bilder und die stummen Wächter haben wir auch ganz gut hinbekommen. Sodaß wir frohen Mutes und in der Hoffnung auf den Anzug auf das Treppchen wieder in Grafschaft einlaufen.

Ahr-Rotwein-Klassik 2021 - S7 - Sieger
Ahr-Rotwein-Klassik 2021 – S7
Siegerehrung

Bis der letzte Tourist (150 Starter in Summe) eingelaufen ist, die Bordkarten ausgewertet sind und alles weitere vorbereitet wird, vergehen sicherlich noch 2h. Bei etwas mehr als einer 1h Heimfahrt entscheiden wir uns noch vor der Siegerehrung den Heimweg anzutreten. Die Kinder sind alleine zu hause. Nach einer kleinen Stärkung und einem Kaffee machen wir uns über die A60 auf den Weg nach Appenheim. Freunde, die die Siegerehrung abwarten, bitten wir ggfs. anfallende Trophäen mitzunehmen.

Ahr-Rotwein-Klassik 2021 - Heimfahrt
Ahr-Rotwein-Klassik 2021 – Heimfahrt

Im weiteren Verlaufes des Abends ereilt uns per WhatsApp dann die Nachricht, daß wir gewonnen haben! 🏁 😊 Mit 88,7 Strafpunkten können wir in der sportlichen Klasse den Sieg erringen. Der Zweite hat schon 129,4 Strafpunkte und ein Fahrzeug von 1989. Der Pokal ist, wie immer beim AAC, etwas anders als „üblich“. Dieses Jahr ist es eine zur Uhr umfunktionierte Bremsscheibe. Sehr chic und sie hängt auch schon in der Garage an der Wand. Der 1. Platz bringt viele Punkte für die Clubmeisterschaft. Die können wir gebrauchen nach den eher durchwachsenen Ergebnissen der ersten Läufe. Vielleicht können wir in der Mittelrhein Meisterschaft doch noch auf das Podium fahren?

Ahr-Rotwein-Klassik 2021 - Pokal
Die Flut

In der Nacht des 14. Juli 2021 rollte durch das Ahrtal eine historische Flutwelle. Der Schock sitzt auch bei uns tief, obwohl wir mehr als einhundert Kilometer weit entfernt sind. Viele Bekannte aus dem Rallyesport wohnen im Ahrtal und der Umgebung. Die Vorstellung, daß ganze Ortsteile und Häuser, an denen wir am Sonntag noch vorgefahren sind, nicht mehr existieren, ist schwer zu ertragen. Noch schlimmer ist der Gedanke, daß Menschen die am Sonntag noch an der Straße standen und den Oldtimern zugejubelt haben, ihr Leben verloren haben könnten, oder Angehörige vermissen müssen. Als die Nachricht kommt, dass der AAC Bad Neuenahr-Ahrweiler eine Spendenaktion ins Leben gerufen hat, spenden wir umgehend 500 EUR und helfen bei einem befreundeten Team mit einem Stromgenerator aus. Man kann noch immer Spenden und die Kollegen vor Ort sorgen dafür, daß die Hilfen direkt zu denen kommen, die es am dringendsten brauchen.

Volksbank RheinAhrEifel eG – IBAN DE58 5776 1591 0011 8025 00 – BIC GENODED1BNA

Ahr-Automobil-Club Bad Neuenahr 1924 e.V. »Spende Ahrtal Flut«

Rückfragen bitte an den 1. Vorsitzenden des AAC Bad Neuenahr-Ahrweiler, Herrn Hermann-Josef Doll.

Ford 17m P7b – Er ist da und bei der ADAC Klassik Meisterschaft

Nahetal Classic 2021 - Kilometer Ziel

Es gibt drei Läufe zur ADAC Mittelrhein Klassik Meisterschaft über die ich berichten kann. Coronabedingt alle kontaktlos, was der Freude und dem Spaß aber keinen Abbruch tut. Die „sportlichen“ Komponenten dfallen dabei größtenteils flach und die Veranstaltungen haben allesamt einen eher „touristischen“ Charakter.

Abholung in Bockenau

Fangen wir aber mal vorne an! Am 9. April darf ich mir einen Tag Urlaub nehmen. Heiko Will ist mit meinem 17m soweit, dass ich ihn abholen kann. Fleissige Leser dieses Blogs fiebern sicher schon ab dem 3. Update zum Artikel „3,2,1 … meins! Upps …“ mit. Die Abholung am 12. März hat der TÜV verhindert. Eine Warnblinkanlage (scheinbar in Frankreich 1970 noch kein Standard) muss noch nachgerüstet werden und ausserdem hat sich das Gestänge des rechten Scheibenwischers noch schnell verabschiedet. 3 Wochen später Ost es aber endlich soweit. Dauer: November 2019 bis April 2021.

Meine Frau bringt mich hin und dort steht er dann in voller Pracht. Die Rechnung ist noch nicht fertig und die CD zur Dokumentation auch nicht. Der Wagen ist vollgetankt und ich bekomme die Schlüssel und Papiere. Schnell noch mal auf die Hebebühne, damit ich mit die schöne Versieglung mit Wachs ansehen kann. Auch das komplett überholte Fahrwerk, und den revisionierten Motor kann ich mir von unten ansehen. Das Differential hinten ist abgedichtet und der Auspuff ist ab Krümmer ebenfalls neu. Es sieht alles auf den ersten und auch zweiten Blick echt chic aus. (Screenshots aus Video …)

ToDo

Es ist keine „einser Resto“ geplant und die wurde es auch nicht. Dieses Schicksal steht dem roten 17m bevor und der wird noch eine Weile dauern. Der weisse 17m hat noch immer seine ursprüngliche Patina. Hier und da gibt es noch ein bisschen Rost. Schlimme Stellen und Durchrostungen wurden fachmännisch geschweisst und beilackiert. Der südfranzösische Vorbesitzer hat offensichtlich auch hier und da mal mit der Dose nachlackiert. Der Lack ist in Summe ist alles andere als „toll“, aber hat Charme.

Die Innenausstattung ist „unangetastet“ aber in einem ordentlichen Zustand. Ich hörte „rot“ sei selten. Das merkt man schon daran, dass bei den einschlägigen Händlern dafür keine Ersatzteile gibt. Die Sonne hat alles etwas ausgeblichen, das Lenkrad ist abgegriffen und der Stoff des Fahrersitzes hat an einer Nahtstelle eine kleine Beschädigung. Die Mittelkonsole hat einen kleinen Riss auf dem Deckel, der Faltenbalg des Schalthebels ist porös. Es gibt an allen Ecken und Enden kleine Beschädigungen. Es ist kein Ausstellungsstück, es wurde benutzt.

Die Elektrik ist noch nicht zu 100% sauber, die Uhr und die Innenraumbeleuchtung zucken nicht. Die Tankanzeige zeigt nur 80% Füllstand an, obwohl kein Tropfen mehr rein geht. Die Instrumentenbeleuchtung ist mau.

Kilometer 70135

Der neue Auspuff mit dem V4 hat einen coolen Sound. Heiko Will fährt den Wagen von der Bühne auf den Hof. Nach dem Hinweis, nach der Revision die ersten 500 bis 1000 Kilometer noch sachte mit dem Motor zu sein, und dann zur 1. Inspektion zu kommen, ist die Übergabe perfekt. Noch ein paar Fotos für die Dokumentation und es kann losgehen. Ich „quetsche“ mich hinter das Lenkrad und dokumentiere den Kilometerstand.

Abholung des weissen Ford 17m P7b am 09. April 2021.

Handbremse los, Kupplung, der 1. Gang gleitet sanft wie Seide durch die Gasse rein, Kupplung (ist auch neu) kommen lassen und los geht die wilde Fahrt gen Appenheim. Der Wagen fahrt sich prima. Er liegt straff auf der Strasse. Der Motor klingt toll und zieht gut durch. Die Gänge lassen sich alle gut hoch wie runter schalten und die Bremse tut, für was sie konstruiert wurde.

Nahetal-Classic

Schon am nächsten Tag (10. April 2021) startet die Nahetal-Classic des SFT Brunkenstein-Kirn. Die Veranstalter widmen diese Fahrt dem verstorbenen Mitglied Claus Frohnhöfer, welcher viele Jahre lang für die Kirner und die Binger Motorsportfreunde ein guter Freund und Begleiter war. Er hat unter anderem auch die ADAC Klassik Veranstaltung „Rheinhessische Schweiz“ organisiert, an welcher wir regelmäßig auch teilnahmen. Wir sind für die Gruppe „Sport“ gemeldet und bekommend daher mehr ORI Aufgaben als Bildersuche. Der 17m hat keine 100 Meter Rolle. Das macht die Sache nicht einfacher. Bei Start und Ziel muss jeweils der Tacho mit Kilometerstand fotografiert werden. Je 100m Abweichung gibt es Strafpunkte. Das hatten wir so auch noch nicht.

Eine kleine „Unstimmigkeit“ in der Karte lässt uns mit dem Ford eine kleine „Off-Road“ Einlage machen. Als wir dann aber vor einem Waldweg, mit tief ausgefahrenen Fahrrinnen stehen, und es die Tage vorher ordentlich geregnet hatte, drehen wir um. Mit dem G wäre ich jetzt weiter gefahren, aber der Ford war schon auf dem Weg dorthin an seine Grenzen gestossen. Dreckig ist er dann jetzt auch.

In Erinnerung an die Mäuseturmklassik 2019 (die Tanknadel am G hing und uns ging der Diesel aus) wollte ich bei angezeigt weniger als einen halben Tank, gerne nachfüllen. Das gab Zeit für ein paar Fotos. Am Ende reicht es für uns nur für Platz 7.

Bertha‘s Enkel Landpartie

Eine Veranstaltung unseres Heimatvereins, des MSC Bingen. Wie immer hervorragend organisiert und durchgeführt von Tammo Voigt und seiner Frau Cora. Diese Veranstaltung fahren wir auch seid Jahren und immer mit viel Freude, denn die Strecken sind in der Regel wunderschön ausgesucht und abwechslungsreich.

Auch hier findet alles kontaktlos statt. Aber es gibt, mit Abstand, immerhin Sichtkontakt und auch Fahraufgaben. So startet die Rallye mit der Einhaltung des lang geübten Coronaabstandes von 1,5 zu einem aufgestellten Pfosten. Ich rede mich mal raus: … der Wagen ist neu … ich bin dieses Jahr noch nicht viel gefahren … die Sonne hat mich geblendet … was soll es .. 2,22m sind eine echte Blamage.

Es geht aber sehr erfreulich weiter. Die Strecke ist toll und an den Orten mit Aufgaben ist sehr viel Platz, so dass sich die Teams nie zu nahe kommen. Auch wenn die Fahrzeuge nebeneinander geparkt stehen, finden wir Dinge über Schloss Dhaun heraus und machen ein selbst mitgebrachtes Picknick mit Blick auf das Moseltal in der Nähe von Reil. An einem Selbststempler mache ich noch schnell ein Foto vom Motorraum für die Versicherung.

Zum Ende gibt es dann noch eine Schätzaufgabe. Ein Glas mit zwei Sorten Nudeln. Wie viele Nudeln sind von der 2. Sorte in dem Glas. Das Glas wird einmal vollständig um 360 Grad vor dem geschlossenen Fenster gerollt. Ich sage 50, Nele 38. Wir einigen uns auf 44. Es waren 100. Wir schliessen auf Platz 6. Immerhin einen besser als die Woche davor.

Weck, Worscht und Woi (ADAC Frühlingsklassik 2021)

Auch diese Veranstaltung wird vom MSC Bingen durchgeführt. Ins Leben gerufen, organisiert und durchgeführt von Dr. Klaus und Michaela Picard. Wieder findet die Veranstaltung kontaktlos statt. Freie Startzeit. Die Frühlingsklassik, wie sie auch heisst, ist seit Bestehen fester Bestandteil unseres Terminkalenders. Wegen des betont touristischen Charakters nehmen wir gerne mit der ganzen Familie teil. So auch diesmal und die Kinder freuen sich mehr als alles andere darüber, dass es hinten keine Anschnallgurte gibt. Ich denke schon über Nachrüstung nach …

Diesmal haben sich Klaus und Michaela ein paar ganz besondere Dinge ausgedacht. Wir zählen die Wasserhäuschen auf dem Weg. Rheinhessische Wasserhäuschen haben eine ganz typische Charakteristik und stehen entlang des Weges ausserhalb von Ortschaften. Im Stil des späten 19. Jahrhunderts erbaute kleine Gebäude mit Säulen und Kuppeldächern. Wir haben zwei übersehen. Ich kann es noch immer nicht nachvollziehen, groß genug sind sie doch. Es gab auch ein Bild zu suchen, genau 100ml aus einem Brunnen zu entnehmen, Napoleonische „Morsecodes“ zu entschlüsseln, die Himmelsrichtung des Schiefstandes eines Wehrturmes zu ermitteln und natürlich Weck und Worscht in Form Picknicks an einem selbst ausgesuchten Ort zu verkosten. Der Woi blieb zu … ich muss ja noch fahren.

Nach einem langen Tag, und weil es bei touristischen Veranstaltungen nicht auf Zeit geht, gönnen wir uns auf dem Weg zum Ziel noch ein Eis. Unsere Freunde vom MSC Adenau nehmen die Rückreise huckepack auf einem ADAC Laster in Angriff. Die Benzinpumpe hatte den Geist aufgegeben. Ziel war schliesslich der Parkplatz der Rheinwelle in Gau-Algesheim. Wir belegen den 4. Platz und bekommen den Zusatzpreis für das beste Familen-Team. Check!

Zurück in die Werkstatt

Nahezu tadellos hat sich der 17m geschlagen. Ich musste nur den Endtopf wieder ins Gummi einhängen. Ein komisch klingendes Geräusch bei einer starken Bremsung an der Vorderachse und die eine oder andere Tür die echt schlecht zugeht. Am Sonntag Abend bringen wir den Wagen wieder zu Heiko Will und er bekommt seine 1. Inspektion.

Die EUROPA Tour 2021 im Mai fällt aus. Wie auch die Adenau Klassik ausfällt. Die nächsten Veranstaltungen lassen ein wenig auf sich warten. Der Mai scheint jedenfalls frei davon. So werde ich wohl ein wenig Zeit in der Garage und/oder im Feld verbringen können. Da gibt es auch immer was zu tun …

3,2,1 … meins! Upps …

Ford 17m P7b

Update #1 vom 27.04.2020
Update #2 vom 04.08.2020
Update #3 vom 02.03.2021

Es ist der 17. Oktober 2019 kurz vor dem Datumswechsel. Im Bett liegend, wie immer die neuen Auktionen und Angebote der Oldtimerflotte betrachtend, sticht mir eine neu eingestellte Auktion ins Auge.

Ein 70er Ford P7b 1700S aus Süd-Frankreich. Außen weiss, innen rot. Die Beschreibung ganz nett formuliert. Nicht zu überschwänglich gut gequatscht, weckt immer ein wenig Vertrauen. Wenngleich man ja weiß, daß es immer sehr gefährlich ist den Zustandsbeschreibungen von Autoverkäufern zu viel Vertrauen zu schenken.

Da gab es einen Mercedes Benz 280GE Cabrio welches absoluter Kernschrott war, der Beschreibung nach aber etwas anderes versprach. Dann ein weiterer G, ein Notkauf (es gibt nicht nur Notverkäufe), der nach dem Verkäufer zu urteilen mindestens Zustand 2 hatte. Eine Motor- und Getrieberevision später, gefolgt von einer Rahmenreparatur und vielen anderen Dingen, wäre eine Note 4 noch zu hoch gegriffen gewesen.

Eigentlich den Vogel abgeschossen hat aber der Händler der meiner Frau einen P7b 17M 1700S Baujahr 1971 in Rot verkauft hat. Mit Gutachten und TÜV. Der Wagen ist der Grund dieses Blogs gewesen und so kaputt, daß Man(n) ihn besser hätte gleich im Schrott entsorgt. Aber wie das mit Geschenken so ist, die wirft man nicht weg. Also wird er restauriert, aber langsam und schonend. Finanziell ein Desaster, emotionell aber wichtig.

Weil der weiße P7b so schön auf den Fotos dasteht und auch im Text nicht als Grotte, sondern als „Dieser sympathische Oldtimer ist sowohl technisch, als auch optisch in gepflegtem Erhaltungszustand.“ angepriesen wird, entscheide ich mich spontan zu bieten.

Das Gebot steht bei 6 EUR, ich biete 555 EUR und will schauen, wie weit der wohl geht. Aber wie das Leben so spielt, biete ich 5555 EUR und zurücknehmen ist feige. Eigentlich wollte ich schon immer mal ein Auto bei eBay ersteigern. Als eBay User der ersten Stunden habe ich schon vieles bei eBay ge- und verkauft. Aber ein Auto steht noch auf er Liste der Dinge die zu tun sind.

Die Tage vergehen. Der Preis klettert auf erst 55, 1000, 1100, 1120, 2480, 3450, 3470, 3510, 4001 und dann auf 4011 EUR. 2 Tage noch bis zum Ende der Auktion. Angesehen habe ich den Wagen nicht. Die Hoffnung auf eine Rallye am Ende des Auktionszeitraumes besteht und wird enttäuscht. Es passiert zwei Tage nichts mehr und am 27.10.2019 gegen 19:30 kommt die Nachricht … „Sie haben den Artikel gekauft! …“

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge freue und ärgere ich mich über den Zuwachs. Ich habe schon einen P7b und auch keinen Platz mehr in der Garage. Ein Schalter, und wohlmöglich deutlich besser erhalten als der „Rote“, macht dennoch Freude.

Auf der Suche nach jemandem der den „Roten“ hätte preiswert reparieren können stieß ich auf die Oldtimerwerkstatt Heiko Will in Bockenau. Ich bin damals (wusste nicht, dass es eigentlich todesmutig war) mit dem Wagen vorstellig geworden und habe den dringenden Rat bekommen, den Wagen nicht zu restaurieren. Wir haben auch, weil ich selten aufgeben will, über den Preis gesprochen. Der hat mich dann doch überzeugt, es nicht zu tun. Dass er nun in der Eifel steht, und doch restauriert wird, ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls rief ich also am Montag Herrn Will an. Erzählte von meinem Missgeschick und fragte wie es denn aussieht wenn ich den Wagen zu ihm liefern lassen würde. Ob er denn Zeit hat und gewillt ist sich den Wagen anzuschauen, die Technik zu prüfen, deutsche Zulassung und TÜV zu machen.

Nach Erhalt einer positiven Antwort rufe ich bei der Heritage Motors GmbH an und spreche mit dem Geschäftsführer. Es folgt ein nettes, aber auch ein wenig ernüchterndes Gespräch. Es gibt keine dokumentierte Historie zu dem Fahrzeug. Es wurde bereits einmal in Deutschland verkauft und vom Käufer wieder in Zahlung genommen. Dazwischen stand es in einer Sammlung und wurde weder bewegt noch angemeldet. Auch in Frankreich hat der Wagen vorher sehr lange gestanden. Es gibt einige Arbeiten an der Karosserie zu machen. Hätte man natürlich auch vorher fragen können, aber so richtig geschockt bin ich dennoch nicht. Wir machen einen Preis für die Anlieferung nach Bockenau aus und ich überwiese.

Damit endet der Bericht, denn noch ist der Wagen nicht eingetroffen. Ich werde berichten wenn es weiter geht. Aus alter Tradition sage ich dennoch auch zu diesem Fahrzeug …. „Willkommen in meiner Garage!“


Update 27. April 2020

… eigentlich wollten wir schon lange fertig sein. Aber nicht nur Corona hat die eine oder andere Verzögerung verursacht.

Ford 17m P7b
FORD 17m 1700S, P7b, 75PS, BJ 1970, 4 Türen, Limousine, manuelles Getriebe, Franzose.

Der Wagen wurde im pünktlich geliefert. Der Zustand war nahezu so wie beschrieben. Keine negativen Vibes ob des Deals oder gegenüber dem Händler.

Auf der Bühne sieht der Wagen auch von unten sehr solide aus. Kein Vergleich zu dem 71er P7b vom Hochzeitstag. Natürlich ist der Wagen an vielen Stellen mal nachlackiert worden. Selbstverständlich hat er Rost hier und da. Aber alles im Rahmen und alles in einem Umfang der keine Sorgen bereitet.

Die Technik braucht ein wenig mehr Liebe, insbesondere da wir damit die Classic Rallye EuropaTour 2020 fahren wollten. Da kommt es dann auch auf Zuverlässigkeit an. Ich will nicht irgendwo im nirgendwo mit einem defekten Wagen stehen bleiben.

Technik

Daher wird der Motor zerlegt. Die Stirnräder kommen neu und wenn nichts gravierendes zu sehen ist wird alles abgedichtet und wieder zusammen gebaut. Der Motor wird neu lackiert. Auspuff ab Krümmer kommt neu.

Die Achsen werden komplett überholt. Radlager. Die Lenkung geprüft, die Bremsen und Leitungen ersetzt. Das Getriebe wird gespült und abgedichtet. Die Kardanwelle mit Kreuzgelenken geprüft. Das Heckdifferenzial wird überholt. Der Tank wird gespült und je nach Zustand (Rost innen) ersetzt. Die Kraftstoffleitungen kommen neu.

Die Elektrik (ist ja nicht viel) wird komplett geprüft. Hier und da ein Blinkerglas. Da kommt vielleicht noch was, wenn man ihn wieder zusammensetzt.

Rost, Lack & Chrom

Die Chromteile und den Lack lassen wir patiniert. Wir ersetzen alle Gummis. Rost wird entfernt, so wie aussieht müssen wir nicht viel Blech ersetzen. Anrostungen werden mit dem neuen Wundermittel „Rost-Delete“ (Herr Will macht es auch zum ersten Mal!) behandelt.

P7b Unterboden behandelt mit „Rost-Delete“ aus der Höhle der Löwen.

Da sind wir alle echt auf das Ergebnis gespannt. Das zeug bleibt eine Weile drauf.

Was zu lackieren ist, wird beilackiert. In dem Wissen, dass es nicht perfekt wird. Aber mit fast 50 sehe ich dann auch nicht wie neu aus und ich mag Authenzität an der Stelle.

Interieur

Die Innenausstattung weist wirklich nur geringe Gebrauchsspuren auf. Nur ein kleiner Riss beim Fahrersitz. Kann natürlich noch kommen. Der Stoff ist eben auch alt und das Plastik auch. Schauen wir mal. Das Bordeauxrot passt prima zur Aussenfarbe.

Geplante Fertigstellung mit TÜV und H-Abnahme ist der 30.06.2020!


Update am 04. August 2020

Warum muss man als Kunde eigentlich immer irgendwann von freundlich auf sehr bestimmt und nahezu unfreundlich umschalten? Wir haben den 4. August und der Wagen ist noch immer nicht fertig. Aus meiner Sicht eine klare Sache der Prioritäten und nichts anderem geschuldet. Kurzum … Kunde ist (ich) sauer. Das ist keine gute Basis für das was dann da noch kommt. Denn ein unzufriedener Kunde wird unentspannt an alle anderen Themen gehen.

Dieser Duktus der Werkstätten zieht sich dabei auch durch sehr viele Projekte die ich in den letzten Jahren mit Autos hatte. Fallen die „netten“ Kunden einfach gerne hinten runter, weil die unangenehmen Kunden laut und anstrengend sind? Ihr lieben Werkstätten, die „netten“ Kunden kommen wieder und geben Empfehlungen ab! Die „netten“ Kunden meckern nicht wegen jeder Kleinigkeit herum und die netten Kunden sind auch nur so lange freundlich, wie sie sich nicht vorgeführt vorfinden.

Nach einem kurzen, und aus meiner Sicht als friedliebender Mensch wirklich unerfreulichem Telefonat, haben wir einen neuen Termin zur Abholung vereinbart. Am 29.08. inkl. TÜV und aller Arbeiten. Ich werde berichten … und freue mich riesig auf das neue Spielzeug. Wenn er sich als zuverlässig erweist, können wir am 05. September damit vielleicht schon die Mäuseturm Classic fahren!

Update am 02. März 2021

Licht am Ende des Tunnels! 1 Jahr „zu spät“ bei wie „eigentlich“ immer „nicht viel dran“. Aber dann musste doch geschweisst werden. Der Motor brauchte eine komplette Überholung, denn die lange Standzeit hat ihn innerlich korrodieren lassen. Das Fahrwerk, die Bremsen, alle Leitungen auch die Benzinleitungen … es wird sicherlich einen vollständigen Bericht geben wenn ich den Wagen wirklich in der Garage stehen habe.

Nun habe ich einen Termin bei der Zulassungsstelle gemacht und es sieht tatsächlich so aus, als ob der Wagen ab dem 12.03. wirklich auf die Strasse darf!

Der „Rote“ wird abgemeldet, denn die Restauration wird noch eine Weile dauern. Die alte Nummer kommt auf den neuen Wagen so fährt schon ein „bisschen“ von ihm mit.

Wir haben dieses Jahr viel vor. Trotz Pandemie werden diverse Rallyes stattfinden. Im Zweifel laufen sie „kontaktlos“. Eine Meisterschaft im ADAC Mittelrhein wird es auch geben. Wir sind dabei! Der Wagen bekommt noch den Rallyecounter und dann sollte einer Saison in einem 70er Ford nichts mehr im Weg stehen.

Ich überlege ob ich dem Wagen noch ein Rallyeoutfit verpasse. Natürlich nur mit Folie, denn es wäre eine Schande diesen echten Survivor zu misshandeln. Motorhaube in matt-schwarz mit einem kleinen Pinguin (TUX) drauf? Auf der Seite ein Sponsor mit Pinstripes und hinten noch ein kleines rundes Logo mit „root“ …

Meine künstlerischen Fähigkeiten in dieser Art Grafikdesign sind leider recht limitiert … man sehe mir also nach wie es aussieht.

Also bleibt gespannt, ich bin es auch.

Ijob … und seine Botschaften

Verdammt … gerade habe ich mit Ulf telefoniert. So wie es aussieht wird es nix mit „Fordfahren“ in 2019. Es finden sich mehr und mehr unglaubliche Dinge bei dem Fahrzeug. So wie in Silikon gelagerte Lampenkästen. Auf- und verklebte Bleche wohin man den Schraubenzieher auch reinsteckt. Ende Dezember/Anfang Januar kommen neue Bilder des Grauens … hoffen wir mal die Resto der Landmaschine verläuft besser. Die ADAC Mittelrhein Meisterschaft wollen wir kommendes Jahr mit einem „roten“ Auto bestreiten. Der 911er ist eine geile Fahrmaschine, aber wer Classic Rallyes fährt weiss, daß es davon immer viel zu viele im Starterfeld gibt. Mit etwas außergewöhnlicherem macht es am Ende allen einfach mehr Spaß.

Bestandsaufnahme #1

Gestern kamen die ersten Bilder von Ulf. Nix für schwache Nerven. Wer als also einen empfindlichen Magen hat schaut sich die Bilder besser nicht an.

Ich zitiere: „Der linke Stoßdämpfer hält eigentlich nur noch durch die innere Schraube und das Fahrzeuggewicht. Der untere Bereich der A-Säule ist quasi nicht mehr vorhanden, der Reparaturschweller wurde von einem Karosseriespezialisten gekürzt und einfach unter den Kotflügel geschoben.“

Das Word „Aufgeben“ habe ich aus meinem Wörterbuch schon lange gestrichen. Ich vertraue auf Ulfs Künste und freue mich schon auf das Ergebnis. Da einer der beiden Kotflügel schon ein GFK Modell ist, werde ich den 2. den ich mit dem Wagen bekommen habe ebenfalls verwenden. Eigentlich wollte ich Blech, aber GFK spart an der Stelle Zeit und Geld.

Es wird bestimmt bald weitere Horrorbilder geben … immer mal vorbei schauen …

Das Abenteuer Restaurierung beginnt …

Mein 17m

… am 27. April ist der 17m mit Ulf nach Grafschaft gefahren um dort die dringend notwendige Frischzellenkur zu bekommen. Wir haben ein Budget vereinbart und nun schauen wir mal dabei heraus kommt. Erste Handlung ist eine Runde Trockeneisstrahlen um den ganzen Unterbodenschutz aus dem Weg zu bekommen. Am 13.05. schauen wir uns das Desaster in Grafschaft an und dann werden Prioritäten festgelegt. Die Karosse braucht viel neues Blech und im Anschluss Farbe. Der Motor will mindestens ein paar neue Stirnräder, wenn nicht eine komplette Überholung. Das Fahrwerk braucht Zuwendung. Innen muss wenigstens der Fahrersitz repariert werden. Aber eigentlich müssen alle Sitze raus und überholt sowie neu bezogen werden. Von weitem sieht man es nicht, aber wenn man näher hinschaut merkt man schon wie viel Zuneigung der Wagen braucht. Sofern es etwas vom Fortschritt zu berichten gibt wird es hier berichtet werden….

Der Kauf

Es braucht einen Motor, vier Räder und muss mich von A nach B bringen – das war bislang meine Definition für ein Auto. Aber es gibt gute Gründe, warum sich das ändern kann.

Seit ich mit meinem Mann zusammen bin, erzählt man mir die Geschichte, er habe schon seit dem zarten Alter von drei Jahren auf der Autobahn aus 3 km Entfernung alle Fahrzeug-Hersteller samt Typenbezeichnung an den Rücklichtern erkennen können. Und tatsächlich hat seine Begeisterung für Autos ein klein wenig auf mich abgefärbt. Nicht, dass mich Hubraum oder Pferdestärken sonderlich interessieren würden und ich technische Informationen einen Tag später sowieso wieder vergessen habe. Aber es sind die Geschichten, die man mit einem Fahrzeug verbindet, die auch bei mir ein Verständnis für den Reiz alter Autos wecken.

Ob bei Familienfesten in Erinnerungen geschwelgt wurde, beim Betrachten der alten Super8-Filme meines Schwiegervaters oder beim Austausch mit anderen Auto-Narren – ein Fahrzeug kam bei meinem Mann immer wieder zur Sprache: der Ford 17M P7b. Wie mit strahlenden Kinderaugen berichtet er noch heute davon, dass er sich auf langen Urlaubsreisen auf der Rückbank zusammenrollte oder wie er zu Hause in der Einfahrt im Auto seines Vaters Autofahren spielte. Und schlussendlich auch davon, wie bitterlich er weinte, als das Familienauto eines Tages nicht mehr zu reparieren war und abgeholt werden musste.

Also wollte ich mich auf die Suche nach einem Ford 17M P7b machen. Ich stellte mich schon darauf ein, dass diese Suche länger dauern würde und wollte in den nächsten fünf Jahren (bis zum 50. Geburtstag meines Mannes) fündig werden. Aber es sollte anders kommen.

Ich sitze vor dem Rechner und surfe im Internet. Nur so zum Spaß klicke ich mich bei mobile.de durch die Website und gebe den Suchbegriff 17M ein. Ein Treffer. Wunderbar, den schaue ich mir doch mal an. Super, er ist rot. Das passt und gefällt mir. Die Fotos sehen schön aus, die Beschreibung ist knapp. Also gleich die ADAC-Kaufberatung aufgerufen. Rost ist das Hauptproblem beim P7b, damit habe ich gerechnet. Unter den Schwachpunkten finde ich aber auch Punkte wie Wagenheberaufnahmen, Novotex-Stirnräder und Fahrwerksbuchsen. Was soll ich denn damit anfangen? Natürlich kann ich den Verkäufer am Telefon danach fragen. Aber was, wenn ich die Antwort noch nicht einmal verstehe? Ich rufe trotzdem an, bekunde mein Interesse an dem Wagen, stelle ein paar unverfängliche Fragen und gebe zu, dass ich keine Ahnung von Autos habe. Da der Verkäufer mich freundlich darauf hinweist, dass es von Vorteil wäre, das Auto mal anzusehen, kümmere ich mich um einen Besuchstermin.

Der 17M steht zweieinhalb Stunden von uns entfernt. Da komme ich ohne den großen Aufwand, die Kinder wegzuorganisieren, nie hin und zurück, ohne dass mein Mann etwas merkt. Außerdem – was habe ich von einem Besichtigungstermin vor Ort, wenn ich als Laie den Wagen sowieso nicht beurteilen kann. Ein Experte muss also her. Der einzig mir bekannte Karosseriebauer empfiehlt mir seinen Oldtimer-Sachverständigen. Aber der müsste ja auch erst anreisen. Da fällt mir ein guter Freund ein, der in der Gegend wohnt. Schnell ist mit ihm ausgemacht, dass er und sein Kumpel sich den 17M am Wochenende ansehen. Ich bin erleichtert.

Während die beiden das Auto in Augenschein nehmen und mir die neuesten Infos zukommen lassen wollen, kann ich nicht telefonieren. Mein Mann ist zu Hause. Also werde ich per SMS auf dem Laufenden gehalten. Das Fazit: das Auto ist in Ordnung, zu dem Preis kann ich nichts falsch machen, ich soll zuschlagen. Am nächsten Tag schaffen wir es endlich unbemerkt zu telefonieren und ich kann anschließend den Verkäufer anrufen. Es gibt keinen Diskussionsbedarf, wir sind uns schnell einig und tags darauf bekomme ich den Kaufvertrag. Unterschrift drunter und fertig. Ich habe das erste Auto meines Lebens gekauft und kann es gar nicht fassen. Innerlich strahle ich wie ein Honigkuchenpferd.

Für mich ist so ein Autokauf Neuland. Wunschkennzeichen reservieren, Versicherung abschließen, zur Zulassungsstelle fahren … selbst das Schilder-Machen ist spannend. Und alles besonders aufregend, weil geheim.

Dann gehen ein paar Wochen ins Land, während der 17M noch friedlich im Rheinland steht. Nach Ostern ist es endlich soweit, der Wagen wird zu meinen Eltern geliefert, wo er bis zur Übergabe bleiben kann. Ich bin aufgeregt und darf mir nichts anmerken lassen. Außer meinen Eltern weiß keiner Bescheid, aber die werden von meiner Freude angesteckt und sind auch ganz gespannt. Und dann rollt er auf seinem Anhänger vor: ein Traum in rot. Und ich bin sofort in ihn verliebt. Als ich die Schlüssel in die Hand gedrückt bekomme, schlägt mein Herz schneller. Beim ersten Probesitzen versinke ich seufzend in den Kissen. Und als der Motor anspringt, klatsche ich vor Begeisterung wild in die Hände.

Nun steht die erste Probefahrt an. Nachdem der Motor ein paar Minuten warm gelaufen ist, rangiere ich das Schiff aus der Einfahrt. Eine ganz ordentliche Arbeit, so ohne Servolenkung. Ich schlage also den Weg zur Tankstelle ein (Bleiersatz habe ich schon besorgt) und stelle mir gleich die entscheidende Frage, wo der Tankdeckel ist. Also halte ich noch einmal an, um nachzusehen, denn ich will mir ja keine Blöße geben. Rechts ist er nicht – links aber auch nicht. Ups. Zuerst überlege ich, meinen Schwiegervater anzurufen. Der hatte ja einen 17M und muss es wissen. Aber zu Zeiten von google finde ich auch so schnell heraus, dass er hinterm Nummernschild versteckt ist. Na also. Auf dem Weg zur Tankstelle spüre ich schon die Blicke, die das Auto auf sich zieht. Dort angekommen, werde ich gleich in ein Gespräch verwickelt. Merke: wer einen Oldtimer fährt, darf nicht kontaktscheu sein.

Dann ist er da, unser 18. Hochzeitstag. Zufällig haben die Kinder frei und wir haben angekündigt, Markus zum Mittagessen abzuholen. Leider sind wir ein bisschen zu früh und drehen noch eine Runde, damit der Überraschungseffekt größer ist. Schon von Weitem sehen wir meinen Mann auf dem Parkplatz stehen. Erst schaut er in eine andere Richtung. Dann sieht er den P7b und guckt interessiert. Erst auf den zweiten Blick erkennt er, dass seine Familie in dem Wagen sitzt. Was in diesem Moment in seinem Kopf vorgeht, weiß ich nicht. Aber als ich ihm mit den Worten „Der ist für Dich“ die Schlüssel überreiche, ist er völlig überwältigt.

Später erfahre ich, dass er zuerst gedacht hat, wir hätten das Auto nur für einen Tag gemietet. Dass es wirklich seiner ist, kann er nicht fassen. Während des gesamten Mittagessens schüttelt er immer wieder ungläubig den Kopf. Auch ich grinse über beide Backen, denn der Plan ist aufgegangen – Überraschung gelungen!

Hochzeitstag

Mein 17m
Mein 17m

Es gibt Tage die man wahrscheinlich nie vergisst. Der Tag der eigenen Hochzeit ist sicherlich so einer. Aber auch der 18. Hochzeitstag wird in die Familiengeschichte eingehen. An diesem Tag bekam meine Garage unerwartet Zuwachs.

Die Geschichte wie meine Frau den Wagen gefunden, warum sie ihn gekauft und dann mir geschenkt hat, wird sie selbst erzählen müssen. Einen ähnlichen P7b kaufte mein Vater im Jahr meiner Geburt. Damals ein Auslaufmodell. Einen 17m mit 2 Türen, in diesem Rot und 75 PS mit manueller Gangschaltung. Ich habe meine halbe Kindheit in diesem Wagen verbracht und viele Erinnerungen an Urlaube nach Jugoslawien, Spanien, Frankreich, England. Autos gehörten leider nicht zu den Leidenschaften meines Vater, so wurde das Auto nicht oft abgelichtet. Aber ein paar Screenshots von alten Super 8 Filmen zeigen den 17m meiner Kindheit.

Nun habe ich einen sehr ähnlichen Wagen in meiner kleinen Sammlung und freue mich auf dieses Projekt.

Im Gutachten des TÜV bekam er eine Zustandsnote 3. Ich möchte behaupten es könnte auch eine 4 sein. Die Technik wurde bereits teilweise angefasst und repariert. Er hat TÜV bis 06/2018. Das Blechkleid ist in einem schlechten Zustand. Das Innenleben erscheint mir weitestgehend vollständig und dem Alter entsprechend. Mit etwas mehr als 41tkm (laut Gutachten möglich, Tacho aber 5 stellig) ein Leben lang in Familienbesitz einer „Ford“ Familie.

Familienbesitz von 1971 bis 2017

An der Quelle sitzend scheint schon sehr früh jemand die V4 und 17m Embleme gegen V6 und 20m Embleme getauscht zu haben. Der Wagen hat sicherlich eine Geschichte, der ich gerne auf den Grund gehen möchte. Ausserdem möchte ich ihn mehr oder weniger so belassen wie er ist. Er wird nicht restauriert, er wird repariert um seine Patina und seine Geschichte zu erhalten.

Nun bin ich auf der Suche nach Informationen, Literatur und Gleichgesinnten zu diesem Fahrzeug. Die Internetrecherche ergab auf Anhieb nicht viel. Das bin ich von meinen anderen Projekten anders gewöhnt. Aber ich bin mir sicher ich werde auch hier fündig. Zum einen weist die Ford Website erfreulicherweise Spezialisten aus, an welche man sich wenden darf. ( Habe ich auch schon getan und prompt Antwort erhalten! ? ). Zum anderen haben wir einen ausgewiesenen Ford und Oldtimer Spezialisten im Motorsport Club Bingen dessen Mitglied ich bin. Ich freue mich auch schon auf die erste Oldtimerrallye mit dem Wagen. Er scheint mir prädestiniert dazu.

Es wird ein spannendes Projekt und wie immer heisst es auch hier: Willkommen in meiner Garage!