Tatütata … willkommen in unserer Garage!

Projekt: Mercedes-Benz 811D - Feuerwehr LF8/6 - 1990

Oder: Wie meine Frau bei einer Rallye-Vorbereitung ihr Feuerwehrauto fand

Manchmal sucht man ein Auto. Und manchmal findet ein Auto einen, obwohl man eigentlich etwas völlig anderes vorhatte.

In unserem Fall beginnt die Geschichte nicht mit einer Verkaufsanzeige, sondern mit der Vorbereitung einer Orientierungs-Rallye für den Porsche Club Mainz. Meine Frau, Sohn und ich waren in Sachen Prüfung der Strecke, des Roadbooks, der Aufgaben und Organisation unterwegs. Dabei führte uns der Weg auch zur ClassicBid (das Ziel der Rallye) nach Grolsheim – und dort stand es: groß, rot und kaum zu übersehen.

Projekt: Mercedes-Benz 811D - Feuerwehr LF8/6 - 1990

Ein Mercedes-Benz 811 D, Baujahr 1990, mit Rosenbauer-Aufbau. Ein LF 8, also ein Löschgruppenfahrzeug mit einer Nennförderleistung der Pumpe von 800 Litern pro Minute und einem Löschwassertank von 800 Litern.

Meine Frau hat sich jedenfalls „verguckt“.

Nicht spontan im Sinne von: „Der ist ja ganz nett.“ Sondern eher im Sinne von: „So einen wollte ich schon immer haben.“

Und tatsächlich ist der Wunsch nach einem eigenen Feuerwehrfahrzeug nicht neu. Er schlummerte schon lange. Bislang hatte er nur weder einen konkreten Aufbau noch 116 PS, Blaulicht und eine zulässige Gesamtmasse deutlich jenseits dessen, was man mal eben mit einem normalen PKW-Führerschein (nach 1999) bewegen darf.

Feuerwehr ist bei uns keine rote Dekoration

Unsere Verbindung zur Feuerwehr beschränkt sich nicht auf die Begeisterung für ein imposantes historisches Fahrzeug. Wir fühlen und der „Feuerwehrfamilie“ der Freiwilligen Feuerwehr Appenheim zugehörig.

Unsere Kinder sind seit ihrem achten oder neunten Lebensjahr in der Jugendfeuerwehr. Das älteste Kind ist inzwischen seit einem Jahr im aktiven Dienst. Über all die Jahre erlebt man, dass Feuerwehr viel mehr ist als rote Autos, Blaulicht und Technik. Feuerwehr bedeutet Gemeinschaft, Verlässlichkeit, Ausbildung, Verantwortung und die Bereitschaft, dann da zu sein, wenn andere Hilfe brauchen.

Vielleicht schaut man deshalb auch etwas anders auf ein ausgemustertes Löschfahrzeug. Man sieht nicht nur einen Mercedes-Transporter mit Aufbau. Man sieht ein Stück kommunaler Geschichte. Einen Arbeitsplatz, in dem Mannschaften gesessen, sich auf das Kommende vorbereitet haben. Ein Fahrzeug, das vermutlich unzählige Male kontrolliert und gepflegt wurde – damit es im Ernstfall vom ersten Meter an funktioniert.

Genau dieser letzte Punkt ist technisch nicht ganz unwichtig.

Nur 34.000 Kilometer – wirklich nur?

Das Infoblatt von ClassicBid beschreibt den 811er als außergewöhnlich gut erhaltenes Behördenfahrzeug im Originalzustand. Baujahr 1990, 85 kW beziehungsweise 116 PS, Schaltgetriebe und gerade einmal 34.000 abgelesene Kilometer. Dazu Servolenkung, Anhängerkupplung, beheizbare Außenspiegel und der Rosenbauer-Aufbau.

34.000 Kilometer klingen bei einem mehr als 35 Jahre alten Fahrzeug zunächst sensationell. Bei einem Feuerwehrfahrzeug muss man diese Zahl jedoch einordnen.

In den Neunzigern war eine Motorvorwärmung selbst bei großen Wehren keineswegs selbstverständlich. Bei kleinen Wehren ist sie größtenteils bis heute nicht vorhanden. Wenn der Melder geht, wartet niemand darauf, dass Motor und Getriebe gemütlich ihre Betriebstemperatur erreichen. Dann heißt es: starten und los. Im Zweifel Vollgas ab der ersten Sekunde – mit kaltem Motor, kaltem Getriebe und einem schweren Fahrzeug.

Für unsere persönliche Überschlagsrechnung setzen wir die Laufleistung eines solchen Einsatzfahrzeuges deshalb eher mit dem Faktor vier bis sechs an, wenn wir sie mit der Laufleistung eines normal bewegten Fahrzeuges vergleichen wollen. Das ist keine wissenschaftliche Formel, aber eine brauchbare Erinnerung daran, dass ein niedriger Kilometerstand nicht automatisch geringen Verschleiß bedeutet.

Auch im Verkaufsblatt fand sich ein technisches Detail, das uns stutzig machte: Dort werden sechs Zylinder genannt. Nach unserem Kenntnisstand gehört in den 811 D dieser Generation der OM 364 beziehungsweise in der aufgeladenen Ausführung der OM 364 A – ein Reihenvierzylinder. Hubraum und Leistung im Infoblatt passen dazu wesentlich besser als die angegebene Zylinderzahl. Auch hier gilt: Papier ist geduldig, und wir werden uns das Typenschild und den Motor noch genau ansehen.

Donnerstag: ansehen, fahren, verliebt bleiben

Am Donnerstag bekamen wir die Gelegenheit, das LF genauer anzusehen und eine Probefahrt zu machen. Vielen Dank an dieser Stelle an ClassicBid für die Zeit und die Möglichkeit, nicht nur um das Fahrzeug herumzulaufen, sondern es tatsächlich zu bewegen.

Der erste Eindruck blieb positiv. Der 811er ist weitgehend vollständig, wirkt ehrlich und der Leiterrahmen macht insgesamt einen guten Eindruck. Gleichzeitig war der Zustand aus unserer Sicht nicht ganz so „außergewöhnlich gepflegt“, wie es das Exposé vermuten ließ.

Der Motor beziehungsweise die Ölwanne ist ölfeucht. An der Ablassschraube war es sogar etwas mehr als nur ein leichter Film. Auch das Differential zeigt Ölfeuchtigkeit. Das Getriebe hat seine Einsatzjahre ebenfalls nicht vergessen: Der Wechsel vom zweiten in den dritten Gang verlangt Gefühl. Das muss nicht das Ende der Welt bedeuten, gehört aber in eine realistische Betrachtung des Fahrzeugs.

Der Rahmen selbst sieht ordentlich aus. Das LF scheint jedoch schon eine Weile draußen gestanden zu haben. An den Federaugenlagern ist Rost zu sehen, ebenso Korrosion an Karosserieaufnahmen am Leiterrahmen. An der Dachreling hat der Dachaufbau ebenfalls Rost verursacht. Wie weit dieser reicht, lässt sich ohne Demontage nicht sicher beurteilen. Wir hoffen auf Oberflächenrost – aber Hoffnung ersetzt keine Bestandsaufnahme.

Für ein wenig zusätzliche Situationskomik sorgte die Fahrertür. Sie ließ sich am Tag der Probefahrt nicht öffnen. Die vorhandenen Batterien mobilisierten genau noch einen Startvorgang und waren danach nicht mehr zu einer Wiederholung zu überreden.

Kurz gesagt: ein schönes, interessantes und grundsätzlich solides Fahrzeug. Aber eben kein fabrikneues Auto mit rotem Lack, sondern ein ehemaliges Einsatzfahrzeug mit Geschichte, Standspuren und einigen technischen Fragezeichen.

Also eigentlich genau das, was in unsere Garage passt.

Vom Angebot zum Kaufvertrag

Der aufgerufene Freiverkaufspreis von 13.700 Euro erschien uns angesichts des festgestellten Zustands ambitioniert. Vergleichbare LF auf Basis der Mercedes-Benz-Baureihen 811 und 814 werden häufig deutlich günstiger angeboten. Zum Zeitpunkt unserer Besichtigung stand zudem ein nahezu identisches LF 8/6 – dort mit Ziegler- statt Rosenbauer-Aufbau – in der Zollauktion. Der Mindestpreis lag bei 5.000 Euro und sechs Tage vor Auktionsende war noch kein Gebot abgegeben.

Natürlich ist kein altes Feuerwehrfahrzeug exakt mit einem anderen vergleichbar. Aufbau, Wartung, Vollständigkeit, Korrosion, Standzeit und Historie machen schnell große Unterschiede. Trotzdem halfen uns die Vergleichsangebote dabei, Zustand und Preisvorstellung nüchtern einzuordnen.

Hinzu kommt ein strukturelles Thema: Ein Fahrzeug dieser Gewichtsklasse kann nicht von jedem mit einem nach 1999 erworbenen Pkw-Führerschein gefahren werden. Wegen des Leergewichts von etwa 4,2 Tonnen ist ein Ablasten auf 3,5 Tonnen praktisch keine realistische Lösung. Der Kreis möglicher Käufer wird dadurch eher kleiner als größer.

Wir haben unsere Einschätzung nach der Besichtigung offen und sachlich an ClassicBid geschrieben: nicht um das Fahrzeug schlechtzureden, sondern weil wir ernsthaftes Interesse hatten. Wir waren kurzentschlossen und bereit zu kaufen – wenn Zustand, notwendige Arbeiten und Preis zusammenpassen.

Am Montag, dem 20. Juli, folgte ein kurzes Telefonat.

Danach war der Kaufvertrag geschlossen.

Manchmal braucht es eben keine endlosen Verhandlungen. Manchmal braucht es eine ehrliche Besichtigung, eine ausführliche E-Mail und ein kurzes Gespräch zur richtigen Zeit.

Was vor der Übergabe noch passiert

Bevor das LF zu uns kommt, wird die Fahrertür repariert. Neue Batterien werden eingebaut. Außerdem erhält das Fahrzeug eine neue Haupt- und Abgasuntersuchung sowie ein Gutachten für die H-Zulassung als historischer LKW.

Für den zivilen Betrieb muss die Sondersignalanlage entsprechend vorbereitet werden. Vereinbart ist, sie elektrisch außer Betrieb zu nehmen. Die Blaulichter dürfen am historischen Fahrzeug verbleiben, müssen bei Fahrten im öffentlichen Straßenverkehr jedoch abgedeckt werden. Ob auch die vorhandene Feuerwehrbeschriftung unverändert bleiben kann, wollen wir sicherheitshalber mit dem Prüfer abstimmen.

Irgendwann im August soll es dann so weit sein: Übergabe, Heimfahrt und die offizielle Ankunft in unserer Garage.

Historisches Feuerwehrfahrzeug oder Wohnmobil?

Zunächst soll der Mercedes als historisches Feuerwehrfahrzeug erhalten und genutzt werden. Dafür spricht nicht nur die weitgehend originale Substanz, sondern auch unsere persönliche Verbindung zur Feuerwehr. Ein LF 8/6 mit Rosenbauer-Aufbau ist mehr als eine große rote Basis für irgendein Projekt. Es ist erhaltenswertes technisches Kulturgut.

Trotzdem existiert da noch eine zweite Idee.

Der Ausbau zum Wohnmobil oder Reisefahrzeug ist gedanklich keineswegs vom Tisch. Der Aufbau bietet Platz, der 811 D ist robuste Nutzfahrzeugtechnik und ein ehemaliges Löschfahrzeug bringt bereits eine gewisse infrastrukturelle Fantasie mit. Andererseits verschwinden Originalität und Feuerwehrgeschichte schnell, wenn man ohne klares Konzept agiert.

Wir werden uns deshalb Zeit lassen. Erst kennenlernen, dann entscheiden. Zunächst wollen wir wissen, was technisch wirklich zu tun ist. Wir wollen fahren, zuhören, kontrollieren, abdichten und erhalten. Vielleicht bleibt es dauerhaft Feuerwehr. Vielleicht entsteht irgendwann ein behutsam umgebautes Reisefahrzeug. Vielleicht finden wir einen Weg, beides miteinander zu verbinden.

Fest steht bislang nur: Es wird nicht bei diesem einen Artikel bleiben.

Es folgen die Abholung, die erste richtige Bestandsaufnahme, ein Blick auf Motor, Getriebe, Rahmen und den Aufbau, die Erfahrungen mit H-Abnahme und Zulassung – und natürlich die Frage, wie man ein Löschgruppenfahrzeug sinnvoll in einer Garage unterbringt, die eigentlich schon vorher voll war. Wir suchen noch einen Stellplatz!

Bis dahin sagen wir aus alter Tradition:

Willkommen in unserer Garage!

Mittelkonsole Abschluss (temporär)

Abgeloest

Nachdem ich den Wagen am letzten Freitag wieder in den Händen hatte, hat es mich in den Fingern gejuckt nun endlich zum Ende der Aufräum- und Reparaturarbeiten zu kommen. Es fehlte ja nicht mehr viel. Die Mittelkonsole stand lange auf meinem Plan, aber immer kam etwas dazwischen (z.B. falsche Klammern) und dann war der Wagen in der Werkstatt.

Defekt A1296830300

Am Sonntag mache ich mich auf in die Garage um die Mittelkonsole und das Radio endlich fertig zu machen und einzubauen. Die Mittelkonsole hatte noch defekte Halterungen für die Schalter und die Brillenablage die zu ersetzen waren.

Mit einem flachen Schraubendreher kann man die Tackernadeln des Halters behutsam aus dem Holz bekommen. Immer in der Nähe einer Klammer unter das Plastik gehen und vorsichtig hebeln. 

Abgeloest

So habe ich dann den Halter für die rechte Seite (Verdeck, Scheibe und Sitzheizung) entfernt, sowie die Haltung für die Ablageschale und die Knöpfe der Mittelkonsole (z.B. Überrollbügel). Da die getackert waren, will ich sie wieder mit Heftklammern befestigen. Das Format wie es original verwendet wurde habe ich nicht gefunden. Daher habe ich Standard 6mm Klammern genommen. Die passen in meinen Handtacker, wie auch in meinen Elektrotacker. Um es vorweg zu nehmen, bitte nicht nachmachen!

Ich habe die Mittelkonsole auf drei Lagen Handtücher gebettet um Beschädigungen der Oberseite zu verhindern. Mit dem Handtacker kam ich nicht durch das Plastik durch, daher habe ich den Elektrotacker verwendet. Es ist schon ein gewisser Gegendruck nötig um die Nadeln durch den Kunststoff zu bekommen. Ich habe versucht in etwa die gleichen Stellen zu verwenden wie es ab Werk war. Leider ist es aber wegen der bereiteren Klammern und des Tackers nicht immer möglich gewesen. Das Ergebnis von der Rückseite ist hier zu bewundern. Die Halter sitzen bombenfest.

2014 Abholung bei der GFG (damals noch in Gotha)

Bild 1 von 6

2014 Abholung bei der GFG (damals noch in Gotha)

Ich habe später dann gemerkt, dass es keine so gute Idee war die Teile anzutackern. Hätte ich mich vorher im SL129 Roadster Forum erkundigt, hätte ich die Teile mit einem guten 2 Komponentenkleber befestigt. Meine Sorge war, dass dieser die Temperaturen nicht aushalten, oder aber auch der Materialmix (Kunststoff auf Holz) sich als ungeeignet erweisen könnte. Den Erfahrungswerten der Forenmitglieder nach wäre es die bessere Alternative gewesen. So habe ich leider durch den heftigen Schlag des Elektrotackers kleine Mikrorisse an verschiedenen Stellen im Klarlack erzeugt.

R129 Mittelkonsole Lack mit Rissen

Ein weiterer Punkt auf der Liste für die Zeit nach der Saison 2017 ist also die Mittelkonsole aufzuarbeiten.

Dennoch habe ich erst die Mittelkonsole, dann das Bedienteil der Klimaanlage und abschliessend das Radio eingebaut. Das Radio wehrte sich keine Minute, da MB den Radiokabelsatz auf Serienstand gebracht hat. Der Einbau reduzierte sich somit auf ein einfaches einstecken. Etwas fummelig war der Einsatz der Ablage im Knick.

Ich bin mit dem Ergebnis aber dennoch zufrieden:

Mittelkonsole R129
Innenausbau bei 98%

… Warten.

Warten auf die Frontschürze

An der Stelle ein dickes Dankeschön an die Daimler AG. Deren Support und Hingabe wirklich unerreicht ist. Ich weiss nicht wie viele Autobauer für ein 29 Jahres Baumuster Teile nachfertigen lassen und finde dies wirklich beeindruckend. In meinem Falle hat es leider nicht gereicht, denn aus 3 Wochen wurden erst 4, dann 5 und dann 6 und es gab noch immer keinen Termin vom Werk. Die Leute in der MB Niederlassung Mainz haben alles versucht und auch meine ständigen Nachfragen freundlich ertragen.

Heute ist der Countdown zum Saisonstart auf 0 gesprungen. Der Wagen sollte seit 4 Wochen von aussen fertig und frisch sein. In der Zwischenzeit wäre auch das Interieur wieder vollständig gewesen. Stattdessen steht er auch heute noch auf dem Hof der Fischer Karosserie und Lack in Mainz. Aber er wartet jetzt nicht mehr auf die Lieferung einer neuen Stosstange, denn diese habe ich dank eines Tipps aus dem 129SL Forum bei einem privaten Verkäufer aus Köln letzten Samstag abholt. Original und vollkommen neu kam sie aus dem Keller, wo sie für „schlechte Zeiten“ mal eingemottet wurde. Nun wird lackiert und montiert und Freitag starte ich ein bisschen in die Saison. Immerhin brauche ich keine Kurzzeitkennzeichen mehr. Ich hoffe ich finde jetzt kurzfristig die Zeit um das Innenleben und die Elektrik wieder auf Vordermann zu bringen. Dann muss er noch in die Werkstatt, ZV und Klima reparieren. Neue Reifen und ne Inspektion.

244 Tage bis die Saison wieder endet. Der Countdown läuft.